Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 7/00

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Die Kirche und der Mammon (Teil 1)

Woher kommt
der Reichtum der Kirche?

Kein anderes Unternehmen der überlieferten Weltgeschichte hat es so gut verstanden, Geld und Reichtum anzuhäufen wie die abendländische Kirche.

Von Beginn an ist die Kirchengeschichte voll von Ausbeutung jeglicher Art: Erbschleicherei, Enteignung, Konfiskation, Schmarotzertum, Ablasshandel, Raubzüge usw. Die Arbeit für Theologie und Philosophie nehmen sich demgegenüber wie eine Nebentätigkeit aus.

KircheDie St. Peters-Basilika in Rom im 4. Jahrhundert - Kaiser Konstantin schenkte der Kirche unermessliche Reichtümer

Sie können das nicht glauben? Dann sollten Sie weiter lesen. Denn dann sind Sie vermutlich dem frommsten Märchen der Kirche aufgesessen, das lautet: Der Hauptzweck der Kirche sei, Almosen zu sammeln und Werke der Barmherzigkeit zu tun, z. B. an Witwen und Waisen. Die Kirche trage zur Mäßigung der menschlichen Habgier bei und zu einer sozialen Gesinnung der Reichen. Diese rührende Mär wird seit Generationen in unzähligen Abhandlungen und Traktaten ständig wiederholt. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?

Die fromme Lüge

Es soll keineswegs in Abrede gestellt werden, dass es Kirchenchristen gibt, die sich ernsthaft bemühen, das Gebot des Jesus von Nazareth zu befolgen: „Ihr sollt euch keine Schätze sammeln, die die Motten und der Rost fressen.“ Oder: „Niemand kann zwei Herren dienen: Gott und dem Mammon.“ Ungezählte Christen opfern sich tatsächlich auf für ihren Nächsten, stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Doch betrachtet man die Kirche als Institution über die Jahrhunderte, dann erscheinen die wirklichen Christen eher als willkommenes Alibi für ein Gebaren ganz anderer Art.

Wer glaubt, dass es hier lediglich um die Verschwendungssucht einiger Renaissance-Päpste oder um den schwunghaften Ablasshandel im Mittelalter geht, der täuscht sich. Ein profunder Kenner der Kirchengeschichte schreibt dazu: „Dass es in der alten Kirche eine Armenfürsorge, dass es Wohltätigkeit gab, ist nie geleugnet worden. Ungezählte Theologen haben dies abgehandelt – während es bis heute keinem einzigen einfiel, eine Wirtschaftsgeschichte der alten Kirche zu schreiben, einer Institution, die doch immerhin ein Jahrtausend die wirtschaftliche Entwicklung beaufsichtigt hat.“ (Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. II, S. 471)

Bischöfe wurden zu Bankern

Die Geschichte der Kirche als eines geldgierigen und skrupellosen Wirtschaftsunternehmens beginnt bereits in der Antike, unmittelbar nachdem das Urchristentum in eine hierarchische Institution übergegangen war. Den Wendepunkt markiert hier die Einsetzung des Christentum als Staatsreligion durch Konstantin im 4. Jahrhundert n. Chr. Dabei begannen viele unheilvolle Entwicklungen schon vorher. So wuchs bereits im 2. Jahrhundert den Bischöfen eine große Machtfülle zu, insofern als sie Empfänger aller kirchlichen Einnahmen waren. So verkündet Bischof Ignatius von Antiochien: „Ohne den Bischof sollt ihr überhaupt nichts tun ... Wer den Bischof ehrt, der wird von Gott geehrt. Wer ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel“ (Deschner, a.a.O., S. 468). Das Geld nutzten die Bischöfe in der Regel zum Ausbau ihrer persönlichen Macht, und vermehrten es dabei kräftig. Bereits im 3. Jahrhundert verteilte man die Einkünfte der Bistümer nach folgendem Schema: ein Viertel aller Einkünfte war für den Bischof, ein weiteres Viertel für den Klerus. Ein Viertel diente der Instandhaltung der Kirchengebäude, und ein Viertel war für die Armen. „Der Bischof bekam also allein soviel wie sein ganzer Klerus oder seine sämtlichen Armen zusammen“ (Deschner, a.a.O., S. 73). Der Theologe Horst Herrmann meint zu diesem Verteilungsschema: „Dieses Prinzip hat sich in der Geschichte wacker bewährt: 75 Prozent für Kircheneigenes, 25 Prozent für andere. Noch heute ist es nicht überwunden“ (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 78). Über die Bischöfe sagt Herrmann: „Die Zeit arbeitet von Anfang für die Bischöfe, für die Aufseher [Bischof kommt von episkopus = Aufseher, d. Red.] über das Geld aller – und später auch für die Aufpasser über die wahren Worte.“

Klerikale Geldgeschäfte

Zu Wuchergeschäften und Unterschlagungen durch Priester, Bischöfe und Päpste kommt es schon vor Konstantin. Der spätere Papst Kallist (217-222) gründet „vor seiner großen Karriere eine christliche Bank in Rom, unterschlägt ein Depositum ... und ist auch nach seinem Konkurs wieder als Bankier tätig. Und: „Viele Kleriker sind so geschäftstüchtig, dass ihnen die Synoden seit dem 2. Jahrhundert immer häufiger Geldverleih und Zinsnehmen ausdrücklich untersagen müssen“ (Deschner, a.a.O., S. 483). Im 4. Jahrhundert nahmen die Missstände weiter zu: „Viele Priester und Bischöfe dachten nur noch an sich, trieben einen schwungvollen Handel, liebten üppige Zins- und Wuchergeschäfte, obwohl dies alle Kirchenväter strikt verbieten“ (Deschner, a.a.O., S. 485). Bis zum Mittelalter stellen Priester einen bedeutenden Teil der Geldverleiher. Sogar der katholische Theologe Kobert sagt über den mittelalterlichen Klerus, dass dort „alle Arten und Formen des Wuchers ... aufs Schwunghafteste betrieben“ wurden (Deschner, a.a.O., S. 486). „Bischof Janiarius von Salona versucht einen Ölhändler um den Ölpreis für das ewige Licht zu prellen.“ Oder: „Der Metropolit von Ephesus, der Kirchengrund für die eigene Tasche verhökerte und allerlei Kostbares aus Gotteshäusern einschmelzen ließ, um sein Bad zu verschönern, verkaufte um 400 regelmäßig die Bischofssitze an den Meistbietenden“ (S. 496).

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Kirchenobere missbrauchten ihre hierarchische Stellung und die Gelder ihrer Gläubigen auch zu anderen weltlichen Geschäften. So treibt das Patriarchat von Alexandrien im 6. Jahrhundert „mit Hilfe einer eigenen Flotte Handel mit Palästina, Sizilien, im Adriatischen Meer und mit dem Bistum Rom. Und dabei hatten Kirche und fast alle Kirchenväter längst Priestern den Handel strikt verboten, Ambrosius etwa oder Hieronymus, der schrieb, man müsse einen handeltreibenden Kleriker wie die Pest fliehen! Ende des 6. Jahrhunderts besitzt die alexandrinische Kirche bereits 13 hochseetüchtige Schiffe, wovon zumindest das größte Schiff (vielleicht aber auch jedes) bis England fährt. Das Patriarchat, dem damals 8.000 Pfund Gold gehörten, hatte diese Schiffe in eigener Reederei hergestellt und das Holz von italienischen Kirchengütern bezogen“ (Deschner, a.a.O., S. 489).

Weitere Teile der Serie:
2 - Wie die Klöster reich wurden - in Nr. 9/00
3 - Mönche als Fälschungsexperten - in Nr. 11/00
4 - Unnachgiebig eingetrieben - der Zehnt - in Nr. 12/00
5 - Unversiegbare Einnahmequellen - in Nr. 19/00
6 - Ablasshandel - ohne Geld kein Trost - in Nr. 20/00
7 - Das Blutgeld der Inquisition - in Nr. 21/00
8 - Kirche der Geldgier - in Nr. 22/00

Siehe dazu auch die Informationsschrift der Freien Christen, Ausgabe Nr. 3: Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld


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