Eine große Rolle in den Einnahmen der Kirche spielte
neben Grundbesitz und den Geschäften der Klöster - der Zehnt.
Im Mittelalter waren alle Grundbesitzer verpflichtet, ein Zehntel ihrer
Gesamterzeugung oder ihres Einkommens an die Ortskirche abzuführen. "Vom Priester
wurde erwartet, dass er für seine Zehnten Verdammnis ausstreue, wie es im
Englischen heißt, also alle exkommuniziere, die ihren Zehnten gar nicht oder unrichtig
zahlten" (Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, S. 454). In
der Tat treiben "Geistliche bewaffnet und unnachsichtig Schulden ein",
während sie gleichzeitig gegen Wucher und Zinsen predigten (Wolf, Neuer
Pfaffenspiegel, S. 498). Ein Beispiel dafür ist Papst Pius V. im 16.
Jahrhundert. Er gab seinen Geldeintreibern die Anweisung: "Ein gemeiner Mann, der seine Geldstrafe nicht bezahlen kann, soll beim
ersten Mal mit auf den Rücken gefesselten Händen einen Tag lang vor der Kirchentür
stehen, beim zweiten Mal durch die Straße gegeißelt werden, beim dritten Mal wird man
ihm die Zunge durchbohren und ihn auf die Galeeren schicken"
(Herrmann, Kirchenfürsten, S. 18).