Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 12/00

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Die Kirche und der Mammon (4)

Unnachgiebig eingetrieben - der Zehnte

Die Stedinger Bauern (links) ergeben sich. In Wirklichkeit ging der Sieg der Ritter mit Massenmord und Plünderung daherEine große Rolle in den Einnahmen der Kirche spielte neben Grundbesitz und den Geschäften der Klöster - der Zehnt.

Im Mittelalter waren alle Grundbesitzer verpflichtet, ein Zehntel ihrer Gesamterzeugung oder ihres Einkommens an die Ortskirche abzuführen. "Vom Priester wurde erwartet, dass er ‘für seine Zehnten Verdammnis ausstreue’, wie es im Englischen heißt, also alle exkommuniziere, die ihren Zehnten gar nicht oder unrichtig zahlten" (Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, S. 454). In der Tat treiben "Geistliche bewaffnet und unnachsichtig Schulden ein", während sie gleichzeitig gegen Wucher und Zinsen predigten (Wolf, Neuer Pfaffenspiegel, S. 498). Ein Beispiel dafür ist Papst Pius V. im 16. Jahrhundert. Er gab seinen Geldeintreibern die Anweisung: "Ein gemeiner Mann, der seine Geldstrafe nicht bezahlen kann, soll beim ersten Mal mit auf den Rücken gefesselten Händen einen Tag lang vor der Kirchentür stehen, beim zweiten Mal durch die Straße gegeißelt werden, beim dritten Mal wird man ihm die Zunge durchbohren und ihn auf die Galeeren schicken" (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 18).

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Ein anderes Beispiel ist das Schicksal der Stedinger Bauern aus der Bremer Gegend, die sich weigerten, dem Erzbischof von Bremen den Zehnt zu zahlen. Gegen sie wurde im Jahre 1229 das furchtbare Instrumentarium der Inquisition in Gang gesetzt: "Gregor IX. zögerte nicht, seine Dominikaner in Norddeutschland den Kreuzzug gegen die Stedinger predigen zu lassen. Im Winter 1229/30 rückte Erzbischof Gebhard II. von Bremen zusammen mit seinem Bruder Herrmann von Lippe und anderen Adeligen ins Feld. Die weltlichen Großen waren in diesem Fall eines Sinnes mit dem Klerus, denn beiden war die Freiheit des Bauernvolkes ein Dorn im Auge ..." (Bernd Rill, Die Inquisition und ihre Ketzer, S. 90). Zunächst gewannen die Bauern, doch fünf Jahre später ist ihr Ende gekommen: "Am 27. März 1234 stellen sich die Stedinger bei Altenesch zwischen Delmenhorst und Vegesack zur Schlacht und wurden von der Übermacht massakriert" (Rill, S. 91).

Weitere Teile der Serie:
1 - Wie entstand der Reichtum der Kirche ?- in Nr. 7/2000

2 - Wie die Klöster reich wurden - in Nr. 9/2000
3 - Mönche als Fälschungsexperten - in Nr. 11/2000
5 - Unversiegbare Einnahmequellen - in Nr. 19/2000
6 - Ablasshandel - ohne Geld kein Trost - in Nr. 20/2000
7 - Das Blutgeld der Inquisition - in Nr. 21/2000
8 - Kirche der Geldgier - in Nr. 22/2000

Lesen Sie dazu auch die Informationsschrift der Freien Christen, Ausgabe Nr. 3: Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld.

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