Die Unterwerfung unter Todesdrohung, die die
Stedinger Bauern im 13. Jahrhundert erfahren mussten
(siehe Artikel
Unnachgiebig eingetrieben - der Zehnt), war in den
meisten Teilen der abendländischen Christenheit schon viel früher brutale Realität.
Denn die Kirche unterstützte von Anfang an die aus der Antike übernommene Sklaverei, ja
verschärfte sie sogar in vieler Hinsicht - dies im Gegensatz zum Islam, der hier eine
spürbare Humanisierung brachte:
"Wünscht einer der Sklaven eine Freilassungsurkunde, so
stelle sie ihm aus, wenn du ihn gut kennst, und gibt ihm einen Teil deines Reichtums, den
Gott dir verliehen." So steht es im Koran (nach Deschner,
Kriminalgeschichte des Christentums, Band 3, S. 513). "Die christliche Kirche aber verfocht energisch die
Erhaltung der Sklaverei, sogar deren Verfestigung, ja sie machte die demütige
Unterwürfigkeit der Unfreien zu einer Tugend" (ebda.).
Es war vor allem Paulus, der die Sklaverei verteidigte, "ja, man nannte ihn mit
Recht den konsequentesten Gegner der Sklavenemanzipation" (Deschner,
S. 514). Im Gegensatz zur Antike, wo die Freilassung von Sklaven so sehr
in Mode kam, dass der Staat sogar dagegen einschritt, erschwerte die
Kirche die Freilassung der in Kirchenbesitz befindlichen Sklaven. So
wurde z. B. auf der 4. Synode von Toledo festgelegt, dass freigelassene
Sklaven "die Kirche jeweils aus ihrem eigenen Vermögen
entschädigten ... Auch musste der Bischof, der einen Sklaven freigelassen, ohne das
Schutzrecht der Kirche vorzubehalten, seiner Kirche durch zwei andere Sklaven Ersatz
leisten (can. 68). Schließlich hat die Kirche, was es sonst nirgends gab (!), die
Freilassung ihrer Sklaven unmöglich gemacht. Sie waren als Kirchengut
unveräußerlich" (Deschner, S. 523).
Auch die Kinder der Kleriker, die offiziell sämtlich als unehelich
galten, wurden laut Beschluss der 3. Synode von Toledo zu lebenslangen
Kirchensklaven gemacht. Dies galt auch für die Findelkinder, die vor den
Kirchentüren abgelegt wurden. Und der Hl. Martin von Tours, von dem die
fromme Legende der Teilung seines Mantels geht, hielt sich 20.000
Sklaven. "Die rechtliche Anerkennung der Sklaverei verschärfte sich, seit der
Staat christlich wurde" (Deschner, S. 524). "Sogar in der Kirche
erschienen die reichen Gläubigen umringt von Sklaven. Es gab Christen, die viele Tausende
besaßen. Nach Johannes Chrysostomos war ein Kontingent von 1.000 bis 2.000 Unfreien auf antiochienischen Domänen ganz normal ..." (Deschner, S.
527). "Selbst
die Klöster hatten Sklaven, sowohl zum Dienst im Kloster wie zur Bedienung der Mönche"
(Deschner, S. 528). So kann man sagen, dass "die Kirche nichts tat, um die
Sklaverei zu beseitigen, aber alles, um sie zu erhalten" (Deschner,
S. 520).