Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 21/00

Nach den Pokemon die Digimon - Hintergründe der Spielsucht der Kinder

"Greift nach den Sternen,
rettet die Erde !
"

Einfaches Weltbild: Die "guten" Digimon sollen den Menschen gegen die "bösen" Digimon helfen"Alles begann, als das Klima völlig außer Kontrolle geriet: Regenwälder vertrockneten und brütend heiße Städte wurden mitten im Juni urplötzlich zu Schneelandschaften ..." Das ist der Anfang von "Digimon": Es ist die Geschichte eines Jungen mit Namen Tai und seinen Freunden, die sich in einem Ferienlager erholen, als sie von diesem dramatischen Klimawechsel überrascht werden. "Bei einem Wolkenbruch hagelt es seltsame Gegenstände, die sich als magische Schlüsselanhänger herausstellen und die menschlichen Helden in die Digi-Welt verfrachten" (Games&More Nr. 10/2000). Die Digimon-Welt ist die Nachfolgerin der Pokemon-Welt (vgl. Das Weisse Pferd Nr. 10/2000) und nicht nur ein Kinderspiel mit Gameboy, Computer oder im Fernsehen. Es geht um weit mehr.

RTL II: "Wir sind nur ein kleiner Baustein"

Andrea Lang vom Kinderprogramm des Fernsehsenders RTL II spricht von einer Wandlung beim Fernsehkonsum: "Das Kinderprogramm ändert sich allgemein in eine Richtung, wo es nicht mehr um einzelne Figuren geht, sondern ganze Welten entworfen werden. Das ist wie ´Big Brother` ein Phänomen, das über eine Fernsehsendung hinausgeht. Wir sind nur ein kleiner Baustein" (Welt, 19.8.2000).

Parallele Traumwelten

In großem Stil werden mit allen Mitteln der Verführungskunst parallele Traumwelten geschaffen, die Kinder aus ihrem normalen Alltag herausnehmen. Die Erfinder wissen, worum es geht. "Wir geben ihnen einen digitalen Traum, den sie den ganzen Tag herumtragen können", so ein Sprecher des Pokemon-Konzerns Nintendo (Stern Nr. 29/2000). Und: "Manchmal denken sie wochenlang an nichts anderes." Wer so massiv in eine Bilderwelt hineingezogen wird, der kann langfristig leichter manipuliert und gesteuert werden.

Der japanische Konzern Nintendo muss sich mittlerweile gegen den ebenfalls japanischen Konkurrenten Ban Dai behaupten, dem Erfinder der Digimon. Das Strickmuster ist gleich: Kinder lassen im Gameboy oder mit Spielkarten Monster gegeneinander kämpfen und sich vernichten - im Dienste einer "guten" Sache. Digimon (= Digitale Monster) startete mit 200 Monstern (Pokemon: 150), die im Unterschied zu den Pokemon sprechen können und viele Evolutionsstufen durchlaufen können (Pokemon: bis zu 3). Damit wissen Sie jetzt, was "digivolvieren" bedeutet.

Rettung vor der Apokalypse?

Warum entwirft man solche Welten? Natürlich, um Milliarden zu verdienen, doch nicht nur. Digimon trifft den Puls der Zeit. Apokalyptische Zustände auf der Erde sind der Ausgangspunkt der Digimon-Erzählung und Kinder wissen darum oder ahnen, wie sich das Weltgeschehen entwickelt. Gleichzeitig arbeiten Gentechniker an der Schaffung neuer Welten und neuer Menschen. Sie sind auch in der Lage, Monster zu züchten, die es in der Digi-Welt bereits selbstverständlich gibt.

"Ich will nach Hause"

Doch jeder Mensch und jede Seele tragen in sich auch das Wissen um die ewige Heimat, nach der sie sich wieder zurücksehnen. So auch bei der Digimon-Handlung: Die Kinder sind in der Digimon-Welt gefangen und wollen wieder "nach Hause".
Auch der Kinderwunsch, ein positiver Held für andere zu sein, wird aufgegriffen. In den USA, wo die Fernsehserie schon weiter ist als in Deutschland, startete vor kurzem eine zweite Digimon-Staffel: Die Monster bedrohen jetzt nicht nur die Digi-Welt, sondern die gesamte Erde und alle Menschen. Die Kinder sind als Retter ausersehen, wobei ihnen "gute" Digimon helfen. Die Botschaft klingt tiefgründiger als bei Pokemon, wo es noch hieß: "Ich will der Allerbeste sein." Die Digimon-Botschaft heißt nun: "Ja, greif nach den Sternen, du bist bereit. Glaub an dich, bald ist es soweit, wir werden bei dir sein. Sei bereit!"
Das soll mitten ins Herz treffen. Doch wer wird bei mir sein und für welches Ziel wird man letztlich bereit sein?

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Inspiration aus dem Jenseits?

Der bekannte Schriftsteller Armin Risi sieht jenseitige Mächte am Werk. In seinem Aufsatz Harry Potter und Pokemon fragt er nach dem "Geist" hinter diesen Bewegungen und vermutet Inspiration aus Astralreichen. Sie diene der Vorbereitung des Kommens von falschen "Christussen", die mit magischen Wundern die Menschheit in ihren Bann ziehen. Auch wenn die Warnung in Bezug auf Harry Potter bzw. die Pokemon etwas fanatisch scheint (und z. B. die positive Substanz der Potter-Erzählung nicht berücksichtigt), so ist der Hinweis dennoch nachdenkenswert. Dass es bei den in der Bibel prophezeiten Phänomenen nicht um harmlose Zaubervorführungen geht, auch darauf bereiten Pokemon und Digimon in gewisser Weise vor: Im Kampf Mensch gegen Mensch, Monster gegen Monster, muss der Gegner jeweils vernichtet werden. Im Digimon-Hit heißt es dazu: "Digimon wird dich begleiten, der beste Freund aller Zeiten." (Dieter Potzel)


 



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