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Nach den
Pokemon die Digimon - Hintergründe der Spielsucht der Kinder
"Greift
nach den Sternen,
rettet die Erde !"
 "Alles begann, als das Klima völlig außer
Kontrolle geriet: Regenwälder vertrockneten und brütend heiße Städte
wurden mitten im Juni urplötzlich zu Schneelandschaften ..." Das
ist der Anfang von "Digimon": Es ist die Geschichte eines Jungen
mit Namen Tai und seinen Freunden, die sich in einem Ferienlager
erholen, als sie von diesem dramatischen Klimawechsel überrascht
werden. "Bei einem Wolkenbruch hagelt es seltsame Gegenstände, die
sich als magische Schlüsselanhänger herausstellen und die menschlichen
Helden in die Digi-Welt verfrachten"
(Games&More Nr.
10/2000). Die Digimon-Welt ist die Nachfolgerin der Pokemon-Welt
(vgl.
Das Weisse Pferd Nr. 10/2000) und nicht nur ein Kinderspiel mit Gameboy,
Computer oder im Fernsehen. Es geht um weit mehr.
RTL II: "Wir sind nur ein kleiner Baustein"
Andrea Lang vom Kinderprogramm des Fernsehsenders
RTL II spricht von einer Wandlung beim Fernsehkonsum: "Das
Kinderprogramm ändert sich allgemein in eine Richtung, wo es nicht mehr
um einzelne Figuren geht, sondern ganze Welten entworfen werden. Das ist
wie ´Big Brother` ein Phänomen, das über eine Fernsehsendung
hinausgeht. Wir sind nur ein kleiner Baustein" (Welt, 19.8.2000).
Parallele
Traumwelten
In großem Stil werden mit allen Mitteln der
Verführungskunst parallele Traumwelten geschaffen, die Kinder aus ihrem
normalen Alltag herausnehmen. Die Erfinder wissen, worum es geht. "Wir
geben ihnen einen digitalen Traum, den sie den ganzen Tag herumtragen
können", so ein Sprecher des Pokemon-Konzerns Nintendo (Stern
Nr.
29/2000). Und: "Manchmal denken sie wochenlang an nichts
anderes." Wer so massiv in eine Bilderwelt hineingezogen wird, der
kann langfristig leichter manipuliert und gesteuert werden.
Der japanische Konzern Nintendo muss sich
mittlerweile gegen den ebenfalls japanischen Konkurrenten Ban Dai
behaupten, dem Erfinder der Digimon. Das Strickmuster ist gleich: Kinder
lassen im Gameboy oder mit Spielkarten Monster gegeneinander kämpfen und
sich vernichten - im Dienste einer "guten" Sache. Digimon (= Digitale
Monster) startete mit 200 Monstern (Pokemon: 150), die im Unterschied zu
den Pokemon sprechen können und viele Evolutionsstufen durchlaufen
können (Pokemon: bis zu 3). Damit wissen Sie jetzt, was "digivolvieren"
bedeutet.
Rettung
vor der Apokalypse?
Warum entwirft man solche Welten? Natürlich, um
Milliarden zu verdienen, doch nicht nur. Digimon trifft den Puls der
Zeit.
Apokalyptische Zustände auf der Erde sind der Ausgangspunkt der Digimon-Erzählung und Kinder wissen darum oder ahnen, wie sich das
Weltgeschehen entwickelt. Gleichzeitig arbeiten Gentechniker an der
Schaffung neuer Welten und neuer Menschen. Sie sind auch in der Lage,
Monster zu züchten, die es in der Digi-Welt bereits selbstverständlich
gibt.
"Ich
will nach Hause"
Doch jeder Mensch und jede Seele tragen in sich auch
das Wissen um die ewige Heimat, nach der sie sich wieder zurücksehnen.
So auch bei der Digimon-Handlung: Die Kinder sind in der Digimon-Welt
gefangen und wollen wieder "nach Hause".
Auch der Kinderwunsch, ein positiver Held für andere zu sein, wird
aufgegriffen. In den USA, wo die Fernsehserie schon weiter ist als in
Deutschland, startete vor kurzem eine zweite Digimon-Staffel: Die
Monster bedrohen jetzt nicht nur die Digi-Welt, sondern die gesamte Erde
und alle Menschen. Die Kinder sind als Retter ausersehen, wobei ihnen
"gute" Digimon helfen. Die Botschaft klingt tiefgründiger als bei
Pokemon, wo es noch hieß: "Ich will der Allerbeste sein."
Die Digimon-Botschaft heißt nun: "Ja, greif nach den Sternen, du bist
bereit. Glaub an dich, bald ist es soweit, wir werden bei dir sein. Sei
bereit!"
Das soll mitten ins Herz treffen. Doch wer wird bei mir sein und für
welches Ziel wird man letztlich bereit sein?
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