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Die Kirche und der
Mammon (8):
Unermessliche Grausamkeiten
Kirche
der Geldgier
"Nichts
ist uns genug!"
Nirgends wurde die kirchliche Geldgier so deutlich
wie bei der Verfolgung Andersgläubiger. "Kirchenfürsten haben
immer wieder Blutgelder eingestrichen - so exzessiv, dass ein
geflügeltes Wort sagte, das schnellste und leichteste Mittel, reich zu
werden, sei das Hexenbrennen"
(Herrmann, Kirchenfürsten, S.
7).
Die Grausamkeit der Kirche war unermesslich. Fiel jemand in die Hände der Inquisition, dann kamen
sofort die Beamten ins Haus: "Jeder Teil seines Hausrates und der
Lebensmittel wurde inventarisiert, ebenso seine liegenden Güter. So
wurde seine Familie, mochte sie noch so unschuldig oder schuldig sein,
vor die Tür gesetzt, um Hungers zu sterben oder sich auf die unsichere
Nächstenliebe anderer zu verlassen, eine Nächstenliebe, die nur allzu
sehr beeinträchtigt wurde durch die Tatsache, dass jede
Sympathiekundgebung für einen Ketzer gefährlich war" (Lea,
Geschichte der Inquisition im Mittelalter, Bd. 1, S. 583).
Besonders pervers war die Vorschrift, das Vermögen einer Familie auch
dann zu beschlagnahmen, wenn ein Verstorbener nachträglich (!) der
Ketzerei bezichtigt wurde. "Eine Verjährung für die Ansprüche
der Kirche trat erst nach 40 Jahren ein, bei der römischen Kirche erst
nach 100 Jahren, und zwar datierte diese Verjährung nicht etwa vom Tage
der Begehung des Verbrechens an, sondern erst von dem Tage seiner
Entdeckung" (Lea, S. 585). Dies brachte eine große
Rechtsunsicherheit mit sich, denn "kein Gläubiger oder Käufer
konnte der Rechtgläubigkeit dessen sicher sein, mit dem er zu tun
hatte" (ebda). Eine ganze Familie konnte Jahrzehnte nach dem
Tod eines Familienmitglieds plötzlich ins Elend gestürzt werden. Bei
Lebenden gab es eine Verjährung erst recht nicht: "Die Inquisition
rächte erbarmungslos an dem Greis, was der Jüngling an Unwillkommenem
geäußert hatte. Ein Blick in die Akten, und Jahrzehnte alte
Verfehlungen konnten immer noch zum Scheiterhaufen führen" (Bernd Rill, Die Inquisition und ihre Ketzer, S. 63). Deshalb wurde in
der Inquisition alles genauestens protokolliert: "Um so wichtiger
war ein schriftliches Gedächtnis, da Ketzer auch nach dem Tod noch
abgeurteilt werden konnten, was nicht nur moralisch gemeint war, sondern
auch die praktische Konsequenz nach sich zog, dass ihre Nachfahren
unfähig zur Bekleidung öffentlicher Ämter und nach einem Ketzer nicht
erbberechtigt waren. So hatte es die Inquisition in der Hand, einen
missliebigen Zeitgenossen, dem seinerseits mit dem Verdacht der Häresie
nicht beizukommen war, auf dem Umweg über seine Eltern finanziell zu
erwürgen und ihn auch noch seines Amtes zu berauben. Dass Wissen Macht
ist, hat sie damit einleuchtend vorexerziert" (Rill, S. 64).
Gut
bezahlte Hexenjäger
Für die Hexenverfolgung galt das gleiche wie für
die Inquisition. Auch hier fand der gesamte Prozess mit bereits vorab
Verurteilten statt. Die Folterknechte wurden für jeden Handgriff, ja
sogar für Speis und Trank auf Kosten des Opfers bezahlt. "An einem
Hexenprozess verdiente jeder, der daran beteiligt war. Als Beispiel
sollen die Taxen aus Franken genannt werden, denn für das Hochstift
Würzburg ist eine Zehntgerichts-Kostenordnung erhalten ..., die Bischof
Julius Echter erlassen hatte, um Ordnung in die Verhältnisse zu bringen
... Dem Botengänger, der das Ergebnis des Verhörs zur fürstlichen
Kanzlei bringen musste, stand ebenso ein Lohn zu wie dem Geistlichen,
der der zu Tode verurteilten Malefikantin mit allen üblichen
Tröstungen der Religion zur Seite stand" (Döbler, Hexenwahn, S.
135). Auch die Gelder der Hexenprozesse kamen direkt oder auf Umwegen
der Kirche zugute: "Mittel aus solchen konfiszierten Vermögen
wurden, wie aus den Akten nachweisbar ist, beim neuen Schlossbau der
Mainzer Erzbischöfe verwendet, auch die Kirchen in Goßmannsdorf (Main)
und Gerbrunn wurden mit Geldern aus den Hexenprozessen gefördert"
(ebda., S. 136). Bisweilen bekamen die Inquisitoren pro "überführter"
Hexe sogar ein Kopfgeld (Rill, S. 315).
Blutiges
Geld aus Amerika
Blutgeld haftet nicht nur an Inquisition und
Hexenverbrennung, es klebt auch an der Eroberung des amerikanischen
Kontinents. "Der Missionseifer eines Columbus war gepaart mit der
Sucht nach Gewinn, wie sein Brief an die Könige verrät. ‘Eure
Hoheiten besitzen hier eine andere Welt, wodurch unser heiliger Glaube
so große Verbreitung finden kann und woraus man so viel Gewinn wird
ziehen können.’ Eine solche Vermischung von Religion und Habsucht
berührt uns heute peinlich ... Für welchen Zweck will er nun den
Gewinn einsetzen? Für den Sieg des Christentums. Man braucht nur
Amerika zu entdecken und dort die nötigen Geldmittel zu beschaffen, um
das heilige Grab und Jerusalem wieder zurückzuerobern. Das Gold ist
Mittel zu einem heiligen Zweck" (Enrique Rosner, Missionar und
Musketen, S. 56).
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