Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 22/00

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Die Kirche und der Mammon (8):
Unermessliche Grausamkeiten

Kirche der Geldgier

Gold, das von Blut trieft: Altar in der Kathedrale von Sevilla"Nichts ist uns genug!" Nirgends wurde die kirchliche Geldgier so deutlich wie bei der Verfolgung Andersgläubiger. "Kirchenfürsten haben immer wieder Blutgelder eingestrichen - so exzessiv, dass ein geflügeltes Wort sagte, das schnellste und leichteste Mittel, reich zu werden, sei das Hexenbrennen"  (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 7).

Die Grausamkeit der Kirche war unermesslich. Fiel jemand in die Hände der Inquisition, dann kamen sofort die Beamten ins Haus: "Jeder Teil seines Hausrates und der Lebensmittel wurde inventarisiert, ebenso seine liegenden Güter. So wurde seine Familie, mochte sie noch so unschuldig oder schuldig sein, vor die Tür gesetzt, um Hungers zu sterben oder sich auf die unsichere Nächstenliebe anderer zu verlassen, eine Nächstenliebe, die nur allzu sehr beeinträchtigt wurde durch die Tatsache, dass jede Sympathiekundgebung für einen Ketzer gefährlich war" (Lea, Geschichte der Inquisition im Mittelalter, Bd. 1, S. 583).
Besonders pervers war die Vorschrift, das Vermögen einer Familie auch dann zu beschlagnahmen, wenn ein Verstorbener nachträglich (!) der Ketzerei bezichtigt wurde. "Eine Verjährung für die Ansprüche der Kirche trat erst nach 40 Jahren ein, bei der römischen Kirche erst nach 100 Jahren, und zwar datierte diese Verjährung nicht etwa vom Tage der Begehung des Verbrechens an, sondern erst von dem Tage seiner Entdeckung" (Lea, S. 585). Dies brachte eine große Rechtsunsicherheit mit sich, denn "kein Gläubiger oder Käufer konnte der Rechtgläubigkeit dessen sicher sein, mit dem er zu tun hatte" (ebda). Eine ganze Familie konnte Jahrzehnte nach dem Tod eines Familienmitglieds plötzlich ins Elend gestürzt werden. Bei Lebenden gab es eine Verjährung erst recht nicht: "Die Inquisition rächte erbarmungslos an dem Greis, was der Jüngling an Unwillkommenem geäußert hatte. Ein Blick in die Akten, und Jahrzehnte alte Verfehlungen konnten immer noch zum Scheiterhaufen führen" (Bernd Rill, Die Inquisition und ihre Ketzer, S. 63). Deshalb wurde in der Inquisition alles genauestens protokolliert: "Um so wichtiger war ein schriftliches Gedächtnis, da Ketzer auch nach dem Tod noch abgeurteilt werden konnten, was nicht nur moralisch gemeint war, sondern auch die praktische Konsequenz nach sich zog, dass ihre Nachfahren unfähig zur Bekleidung öffentlicher Ämter und nach einem Ketzer nicht erbberechtigt waren. So hatte es die Inquisition in der Hand, einen missliebigen Zeitgenossen, dem seinerseits mit dem Verdacht der Häresie nicht beizukommen war, auf dem Umweg über seine Eltern finanziell zu erwürgen und ihn auch noch seines Amtes zu berauben. Dass Wissen Macht ist, hat sie damit einleuchtend vorexerziert" (Rill, S. 64).

Gut bezahlte Hexenjäger

Für die Hexenverfolgung galt das gleiche wie für die Inquisition. Auch hier fand der gesamte Prozess mit bereits vorab Verurteilten statt. Die Folterknechte wurden für jeden Handgriff, ja sogar für Speis und Trank auf Kosten des Opfers bezahlt. "An einem Hexenprozess verdiente jeder, der daran beteiligt war. Als Beispiel sollen die Taxen aus Franken genannt werden, denn für das Hochstift Würzburg ist eine Zehntgerichts-Kostenordnung erhalten ..., die Bischof Julius Echter erlassen hatte, um Ordnung in die Verhältnisse zu bringen ... Dem Botengänger, der das Ergebnis des Verhörs zur fürstlichen Kanzlei bringen musste, stand ebenso ein Lohn zu wie dem Geistlichen, der der zu Tode verurteilten Malefikantin mit allen üblichen Tröstungen der Religion zur Seite stand" (Döbler, Hexenwahn, S. 135). Auch die Gelder der Hexenprozesse kamen direkt oder auf Umwegen der Kirche zugute: "Mittel aus solchen konfiszierten Vermögen wurden, wie aus den Akten nachweisbar ist, beim neuen Schlossbau der Mainzer Erzbischöfe verwendet, auch die Kirchen in Goßmannsdorf (Main) und Gerbrunn wurden mit Geldern aus den Hexenprozessen gefördert" (ebda., S. 136). Bisweilen bekamen die Inquisitoren pro "überführter" Hexe sogar ein Kopfgeld (Rill, S. 315).

Blutiges Geld aus Amerika

Blutgeld haftet nicht nur an Inquisition und Hexenverbrennung, es klebt auch an der Eroberung des amerikanischen Kontinents. "Der Missionseifer eines Columbus war gepaart mit der Sucht nach Gewinn, wie sein Brief an die Könige verrät. ‘Eure Hoheiten besitzen hier eine andere Welt, wodurch unser heiliger Glaube so große Verbreitung finden kann und woraus man so viel Gewinn wird ziehen können.’ Eine solche Vermischung von Religion und Habsucht berührt uns heute peinlich ... Für welchen Zweck will er nun den Gewinn einsetzen? Für den Sieg des Christentums. Man braucht nur Amerika zu entdecken und dort die nötigen Geldmittel zu beschaffen, um das heilige Grab und Jerusalem wieder zurückzuerobern. Das Gold ist Mittel zu einem heiligen Zweck" (Enrique Rosner, Missionar und Musketen, S. 56).

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Folgerichtig landete vieles von dem Gold, das amerikanischen Ureinwohnern auf grausame Weise geraubt wurde, in spanischen Kirchen: "Wen überfällt nicht ein Schaudern, wenn er den mit 20 Tonnen Blattgold vergoldeten Altar der Kathedrale von Sevilla bestaunt und dabei an das in den Minen vergossene Blut der Indios denkt. Treffend spricht diese prophetische Klage Erzbischof Melchior de Linnán aus: ´Er halte es für gewiss, dass jene Edelmetalle im Blut der Indios gebadet waren und dass, wenn man das aus ihnen herausgeholte Geld ausdrücken würde, mehr Blut als Silber aus ihnen heraustropfen müsste ... `" (ebda., S. 60). 

Weitere Teile der Serie:
1 - Woher kommt der Reichtum der Kirche? - in Nr. 7/2000
2 - Wie die Klöster reich wurden - in Nr. 9/2000
3 - Mönche als Fälschungsexperten - in Nr. 11/2000
4 - Unnachgiebig eingetrieben - der Zehnt - in Nr. 12/2000
5 - Unversiegbare Einnahmequellen - in Nr. 19/2000
6 - Ablasshandel - ohne Geld kein Trost - in Nr. 20/2000
7 - Das Blutgeld der Inquisition - in Nr. 21/2000

Lesen Sie dazu auch die Informationsschrift der Freien Christen, Ausgabe Nr. 3: Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld


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