Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 23/00

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"Vegetarier schauen doch alle
dürr und ausgemergelt aus? Oder?
"

Erfahrungen an einem Infostand gegen das Leid der Tiere

Mitten in der Fußgängerzone standen wir, vor uns ein Tisch mit Informationen über Tiere, Tierversuche, dazu Einladungszettel für einen entsprechenden Tiervortrag. Viele Menschen - Einheimische und Touristen - belebten die Straße.

"Man kann nicht nicht kommunizieren", lautet ein Axiom der Kommunikationspsychologie und bedeutet hier: Wer des Infostandes ansichtig wurde, würde in irgendeiner Weise reagieren (müssen) - auch wenn er einfach weitergeht.

So waren die Reaktionen unterschiedlich wie die Menschen selbst. Viele blieben stehen und lasen den Titel des Plakats, das auf den Vortrag hinwies. Sehr viele nahmen den dargebotenen Handzettel und gingen weiter. Einige kamen an den Info-Tisch und schauten. Manche gingen nachdenklich weiter.

¤ "So ein Schwachsinn", war plötzlich zu hören. "Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit ihrem heißen Thema!" meinten andere. "Wie ist der Titel des Vortrags Schlachtet die Tiere zum Wohle unseres Leibes gemeint?"

¤ "Jesus hat doch auch Fleisch gegessen und Fische zum Essen vermehrt!" Einer konnte die Erklärung, die wir gaben, annehmen (siehe: "Der Theologe Nr. 7": Jesus und die Fischvermehrung), während ein anderer ironisch zurückfragte: "Habt ihr eine eigene Bibel? Und die ist dann die wahre?"

¤ "Wozu sind die Tiere denn da? Die sind doch auch für unseren Verzehr bestimmt, nur bei Haustieren ist das anders." "Was soll man denn dann essen? Davon werde ich nicht satt!"

En herzhaftes vegetarisches Gericht kann alles enthalten, was der menschliche Körper braucht¤ "Pflanzen sind ja Lebewesen. Die werden doch auch getötet und gegessen. Entweder dürfen wir überhaupt keine Lebewesen essen oder alle." Der Mensch ist ursprünglich ein Früchteesser; das Verzehren einjähriger Pflanzen ist ebenfalls gesetzmäßig.

¤ "Und: Die Tiere fressen sich doch auch gegenseitig auf." Zu Beginn des Falls aßen die Tiere kein Fleisch. Aggressives Verhalten und Fleischessen wurden ihnen durch das Verhalten der Fallwesen aufgeprägt.

¤ "Was? Löwe und Lamm sollen friedlich nebeneinander liegen? Das glaube ich nie und nimmer." Die Feindschaft hat der Mensch rein gebracht. In dem Maße, wie er wieder zum inneren und äußeren Frieden findet, werden auch die Tiere wieder zu ihrer ursprünglichen Friedfertigkeit zurückkehren.

¤ Eine Jugendliche reagiert aufgebracht: "Ihr könnt doch nicht so einen Titel nehmen, das ist ja wie eine Aufforderung zum Töten!" Und sie zerreißt - bevor wir zu Wort kommen - den dargebotenen Handzettel, obwohl deutlich dabeisteht, wie es gemeint ist: dass wir nämlich dagegen sind. Sie und ihre Freundinnen kommen von Bauernhöfen. Sie weisen darauf hin, dass es ein Unterschied sei, wie und wo die Tiere geschlachtet würden. Und außerdem: Wovon sollen die Bauern denn leben? Ihre Existenz hänge ja davon ab! Wer bezahle ihnen die teuren Investitionen, wenn sie ihren Hof umstellen und etwas anderes anbauen oder auf einen anderen Beruf umsteigen sollten? Alle drei ziehen - immer noch erregt - ab. Ein Mann, der das Gespräch mit angehört hat, sagt bedauernd, er sei nicht von hier und fragt, ob der Vortrag nicht auch woanders gehalten würde. Wir informieren ihn über die anderen Termine in anderen Städten. Danach sagte er, dass er beruflich Tiere schlachte, und er schien zum ersten Mal darüber nachzudenken, ob es richtig sei, so etwas zu tun, nur weil es scheinbar keine andere Möglichkeit gebe. Er nahm den Prophet Nr. 15 mit (Tiere klagen - der Prophet klagt an; siehe http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.cgi?article=p015de&type=toc).

¤ Zwei andere, die anscheinend nicht dazugehören, bleiben und stellen kritische Fragen: "Essen Sie auch Fisch? Eier? Trinken Sie Milch? Töten Sie nicht auch Spinnen?" Sie sind erstaunt über die Antwort, dass wir sie inzwischen schon fangen und ins Freie tragen. "Tragen Sie Lederschuhe?" Und: "Was habt ihr für Alternativen zu bieten?" Dann aber wird deutlich, dass sie sich ernsthaft und idealistisch mit dem Thema auseinandersetzen. Obwohl sie glauben, dass der Einzelne nichts tun kann, suchen sie doch nach Lösungen.

¤ "Vegetarier schauen doch alle dürr und ausgemergelt aus? Sie brauchen künstliche Vitamine." Wir fragen zurück: "Schauen wir etwa dürr und ausgemergelt aus?" Sie müssen lachen. Doch sie erklären es sich damit, dass wir nicht schon als Kind Vegetarier waren ...

¤ "Warum kämpfen Sie nicht zuerst einmal gegen Massentierhaltung, Tiertransporte, Tierversuche?" Wir tun es ja, und dies hier ist ein erster Schritt. Das können sie noch nicht so sehen, "vielleicht später", so der dennoch positive Abschied.

¤ Ein Mann kommt noch einmal zurück und bittet seine Frau, doch den Zusatztext auf dem Plakat noch einmal für ihn zu lesen. Sie erklärt: "Ich bin nämlich kein Vegetarier - er schon!"

¤ Ein junger Mann wäre vorher nie auf den Gedanken gekommen, dass Fleischkonsum mit dem Hunger in der Welt zu tun haben könnte. Weil die Getreideproduktion der Welt zum großen Teil für die Tiermast verwendet wird, wobei für ein Kilo Fleischnahrung das Sieben- bis Zehnfache an Pflanzennahrung benötigt wird.

¤ Einige nehmen Handzettel und den Prophet Nr. 15 für Freunde und Bekannte mit, die sich auch für dieses Themen interessieren und eventuell zum Vortrag kommen wollen.

¤ Ein älteres Kind will einen Prophet Nr. 15 mitnehmen - die Mutter ist einverstanden, wenn es ihn wirklich liest! Auch viele andere - Jugendliche und Erwachsene - nehmen den Prophet Nr. 15 mit.

¤ Plötzlich sehen wir uns einer Profi-Kamera auf Stativ gegenüber. Auf die Frage, für welchen Sender diese Aufnahme sei, deutet der Mann an, er sei aus Russland und könne nicht deutsch sprechen.

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Man sieht: Der Prophet Nr. 15 (siehe oben) bringt vieles in Bewegung - Nachdenklichkeit und Anstoß zum Umdenken. Die Argumente und Ausreden, weshalb der Mensch glaubt, noch Fleisch essen zu dürfen oder zu müssen, tragen immer weniger.


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