Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 24/00

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Aufsehen erregendes Gerichtsurteil in Frankreich

Ein Recht auf Nicht-Leben?

Der japanische Literatur-Nobelpreisträger Kenzaburo Oe nahm seinen geistig behinderten Sohn als eigenständige Persönlichkeit an und entdeckte ein Musiktalent in ihmEin französisches Gericht hat einem 17jährigen behinderten Jungen Schadensersatz zugesprochen - weil er lebt. Die Ärzte hatten vor seiner Geburt eine Infektion der Mutter als ungefährlich für die Gesundheit des Kindes beurteilt. Das Kind kam jedoch behindert zur Welt: taub, fast blind, teilweise gelähmt und geistig behindert. Auch den Eltern wurde Schadensersatz zugesprochen: Sie hätten, so gaben sie an, das Kind abtreiben lassen, wenn die Ärzte sie "richtig" beraten hätten.

Schadensersatz für Eltern, die auf Anraten der Ärzte ein Kind zur Welt kommen lassen, das dann aber behindert ist, gibt es per Gericht bereits in vielen Ländern, auch in Deutschland. Neu am französischen Fall ist, dass auch das Kind selbst ein Recht haben soll, nicht geboren zu werden, weil die Behinderung als "fehlerhaftes Leben" beurteilt wird, englisch "wrongful life" oder "wrongful birth". Zur Zeit des Dritten Reiches sprach man von "lebensunwertem Leben" - oder, wie es ein ärztlicher Leiter der evangelischen Diakonie 1937 im Hinblick auf Behinderte sagte: "Dieses Leben ist dem Schöpfer zurückzugeben."

Experten befürchten nun, dass der Druck auf Eltern wachsen wird, die auch behinderten Kindern ein Recht auf Leben zusprechen und sie zur Welt kommen lassen, ganz nach dem Motto: "Ein behindertes Kind - das muss doch heute wirklich nicht mehr sein." In Deutschland wird derzeit versucht, die pränatale Diagnostik einzuführen, mit deren Hilfe Embryonen nach einer Befruchtung im Reagenzglas auf Erbschäden untersucht werden, ehe sie dann in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Dabei wird meist verschwiegen, dass die künstliche Befruchtung mit einer hohen seelischen und körperlichen Belastung der Frauen verbunden ist - die Chance, ein Kind zu bekommen, liegt pro Einpflanzung eines im Reagenzglas befruchteten Embryos bei etwa 18 Prozent; es sind also immer mehrere solcher Eingriffe notwendig.

Das alles ist nur möglich, weil die Kirchen das Wissen darum beseitigt haben, dass eine Behinderung keine Willkür Gottes oder des Schicksals ist, sondern aufgrund von Reinkarnation erklärbar ist und eine große Chance für das Ende des Leides beinhaltet.
So könnte man auch berücksichtigen: Der Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist. Auch die Seele eines behinderten Kindes hat eine Lebensaufgabe, die sie in den jenseitigen Welten bewusst angenommen hat - und die Eltern haben die Chance, dieser Seele bei der Bewältigung dieser schwierigen Aufgabe beizustehen, was Teil ihrer eigenen Lebensaufgabe sein kann. Wer einer Seele die Einverleibung verwehrt, der handelt somit gegen Gottes Gesetze. Er setzt Ursachen, die früher oder später entsprechende Wirkungen nach sich ziehen werden. Da dieses geistige Wissen von den Kirchen verdunkelt und verdrängt wurde, steuern wir heute auf die „Schöne neue Welt" zu, in der der Mensch sich selbst und seine Vorstellungen von Leben über Gott stellt. Doch die Natur spielt dabei nicht mehr mit - die zunehmenden Seuchen bei Mensch und Tier sind nur ein Anzeichen dafür.
 

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Stimmen zum Urteil

"Nun ist die Tür offen für alle Weiterungen des Typs: Ich bin mit nur einem Arm geboren worden, deshalb finde ich keine Arbeit, deshalb klage ich gegen den Arzt, der meine Mutter während der Schwangerschaft betreut hat, oder gegen meine Mutter, die nicht abtreiben wollte."
(Der - behinderte - Präsident der französischen Vereinigung „Handicap Zéro" in „Le Figaro")

"Erstmals ist ein Arzt verurteilt worden, weil er nicht getötet hat ... Und nun muss ein Gericht den Wert eines Lebens festlegen!"
(Prof. Jacques Milliez, Gynäkologe, Paris)

"Wenn eine Mutter vor der Geburt weiß, dass sie eine schwere Krankheit weitergibt, und nicht abtreibt, muss sie gewärtigen, dass sich ihr Kind eines Tages juristisch gegen sie wendet."
(Claude Hurriot, französischer Senator)

"Bald werden wir vielleicht erleben, dass Kinder gegen ihre Mütter Prozesse anstrengen, weil sie keine Verhütungsmittel gebraucht haben und keinen Schwangerschaftstest machen ließen." 
(Didier Le Prado, Rechtsanwalt und Verteidiger des verurteilten Arztes)

Alle Zitate nach: Die Weltwoche, 30.11.2000


 



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