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Sexualverbrechen von Priestern
Eltern, schützt eure Kinder!
»Der Seelsorger mutiert zum Seelenfresser«, schreibt die Süddeutsche Zeitung über die Sexualverbrechen von Priestern. Das macht diese Verbrechen so schrecklich: Das Trauma betrifft nicht nur Körper und Seele eines Kindes, auch die religiöse Glaubensfähigkeit wird auf Jahre oder Jahrzehnte hinaus zerstört. Der Mann, der kraft seines kirchlichen Amtes für sich in Anspruch nimmt, Vermittler zwischen Gott und Mensch zu sein, wird zum Kinderschänder.
Kinder können nicht wissen, dass Jesus von Nazareth überhaupt keine Priester eingesetzt hat. Aber Eltern könnten es wissen, wenn sie sich unabhängig informieren. Und sie können wahrnehmen, dass der Papst zwar neuerlich markige Worte gegen die Sexualverbrechen an Kindern spricht, dass seine Bischöfe und Kardinäle aber daraus nur widerwillig oder gar keine Konsequenzen zu ziehen bereit sind.
Die amerikanischen Kardinäle nicht, die, nach Rom zitiert, nicht einmal ihren Anführer, Kardinal Law, zum Rücktritt drängten, obwohl dieser die klerikalen Sexualverbrecher seines Bistums –
darunter einen Kinderschänder mit 130 Missbrauchsfällen – nicht etwa der Polizei übergab, sondern sie von einer Pfarrei in die andere versetzte. Die deutschen Bischöfe auch nicht, die lediglich einer bereits bestehenden Kommission den Auftrag zur Weiterarbeit erteilten, konsequentes Einschreiten aber allenfalls bei »Wiederholungstätern« in Aussicht stellten. Heißt das, dass jeder Priester mindestens eine Kinderschändung frei hat? Einen »Witz« nannte die Augsburger Allgemeine die Beschlüsse der deutschen Bischofskonferenz. »Täter gehören erstens vor Gericht, zweitens in eine Therapie und drittens so weit weg, dass sie keinen Zugriff auf Kinder mehr haben.«
Doch das Versetzen von Sexualtätern in andere Pfarreien ist auch in Deutschland üblich, so etwa im Bistum Würzburg. Die Aktualität des Themas kommt nicht etwa durch eine erhöhte Verbrechensrate unter Klerikern zustande, sondern schlicht durch vermehrte Aufklärung, insbesondere in den USA. Ohne den Druck von unten wäre überhaupt nichts geschehen. In Deutschland herrscht diesbezüglich noch das klerikale, oder besser noch das mafiose Gesetz der Verschwiegenheit, omertà genannt.
Und der Papst? Geht es wenigstens ihm mehr um die Opfer als um die Täter? Oder fürchtet er, wie die Berliner Morgenpost vermutet, den »Österreich-Effekt«: Nachdem der Vatikan die sexuellen Schandtaten des Kardinals Groer jahrelang vertuscht hatte, besuchten nur noch 10 Prozent der erwarteten Volksmassen die Messe des Papstes bei seinem letzten Österreich-Besuch – »eine der größten Niederlagen des Papstes«.
Vor allem aber geht es ums Geld. Die Entschädigungszahlungen an die Opfer und die Schweigegelder steigen in den USA ins Astronomische. Laut Tagesspiegel zählen die USA »zu den größten Geldgebern des Heiligen Stuhls«. Doch die Spenden bleiben wegen der Skandale zunehmend aus. Und der Vatikan selbst ist bereits von amerikanischen Eltern auf Schadensersatz verklagt worden.
Doch ohne klare Linie nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, wird das Problem nicht zu lösen sein. Die Eltern brauchen darauf aber nicht zu warten: »Genau hinschauen« sollen sie, so der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller im Spiegel, »wem man seine Kinder anvertraut: Ist der Priester ein erwachsener Mensch, oder hat er ein infantiles Verhalten? Hat er Freunde? Oder verbringt er Freizeit und womöglich sogar Urlaub stets mit Jugendlichen? Da würden bei mir die Alarmglocken läuten.« Ob das die Lösung ist?
Oder will die Kirche damit etwa den Eltern den schwarzen Peter zuschieben, wenn sie ihre Kinder der kirchlichen Jugendarbeit anvertrauen? Wer nach grundsätzlichen Lösungen sucht, dem sei empfohlen, dem Rat der Bibel zu folgen: »Tretet aus von ihr mein Volk, auf dass ihr ihrer Sünden nicht teilhaftig werdet und nicht empfanget von ihren Plagen!«
(Ofb. 18, 4) (sd)
Literatur:
> Hubertus Mynarek, Eros & Klerus, Verlag Die Blaue Eule
> Hubertus Mynarek, Casanovas in Schwarz, Verlag Die Blaue Eule
> Elinor Burkett/Frank Bruni, Das Buch der Schande, Europa-Verlag
> Uta Ranke-Heinemann, Eunuchen für das Himmelreich, Heyne-Taschenbuch, 2000
> "Der
Theologe Nr. 24 a" - Sex-Verbrechen und -Vergehen in der Kirche
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»Sie verteidigen ihr Biotop
mit Zähnen und Klauen«
Gespräch mit Prof. Dr. Uta Ranke-Heinemann, erste
katholische Theologieprofessorin weltweit, Buchautorin
Redaktion: Welches sind Ihrer Meinung nach die Wurzeln des sexuellen Missbrauchs an Kindern durch Priester?
Ranke-Heinemann: Durch die Begünstigung der homosexuell Veranlagten verwechselt mancher junge Mann - in aller Unschuld - seine homosexuelle Veranlagung mit göttlicher Berufung. In keinem Beruf ist der Anteil der Homosexuellen so hoch wie im katholischen Klerus - und da wiederum: je höher in der Hierarchie, desto größer der Prozentsatz. 60
% des Vatikans sind homosexuell.
Wieso werden die Homosexuellen begünstigt?
Ranke-Heinemann: Das oberste Gebot der Priestererziehung lautet, besonders seit der Mönch Luther eine Nonne geheiratet und eine riesige Priesterheiratswelle ausgelöst hatte: »Kein Skandal mit Frauen.« Je höher man in der Kirchenhierarchie steigt, desto mehr wird man handverlesen. Da werden nur Leute genommen, bei denen man in diesem Punkt sicher ist. Bischöfe müssen eigens schwören: keine Frauenpriester, keine Priesterfrauen, keine Verhütung. Daran sieht man übrigens, zu welchem Zölibats-Credo das Christentum zusammengeschrumpft ist ...
Warum will die Kirche den Zölibat nicht aufgeben?
Ranke-Heinemann: Die Homosexuellen im Vatikan würden mit Abschaffung des Zölibats ihr ideales Biotop verlieren, darum halten sie mit Zähnen und Klauen an ihm fest. Wenn nämlich jetzt plötzlich die First Lady des Papstes den Kardinälen die Schau stehlen würde, dann käme dieses frauenlose, monosexuelle Terrarium durcheinander. Bisher ist es doch so: Alle Hirten sind Männer, alle Frauen sind Schafe. Dieses klare Oben und Unten wäre gefährdet.
Werden nun die Priester durch dieses frauenlose Umfeld zur Pädophilie erzogen oder haben sie schon vorher diese Neigung?
Ranke-Heinemann: Jedenfalls haben die Homosexuellen in keinem Beruf so leicht Zugang zu Jungens, in diesem Fall z. B. Messdienern.
Was sagen Sie zu den Fällen in USA?
Ranke-Heinemann: in USA wird um viel Geld prozessiert, da hat die Kirche vor allem Angst um ihr Geld. Das handelt sich ja nicht nur um drei Euro fünfundsiebzig.
Bei größeren Austrittswellen werden auch die Einnahmen aus der Kirchensteuer weniger.
Ranke-Heinemann: Ja. Große Mäzene sind abgesprungen. Deshalb versucht der Vatikan nun zwei Dinge aus der Schusslinie zu ziehen: Sein Geld und den Zölibat. Beim Zölibat behauptet er einfach, er sei gottgewollt. Mit dem Geld ist das schwieriger.
Ihr neues Buch für diesen Herbst trägt den Titel »Nein und Amen, mein Abschied vom traditionellen Christentum« - warum treten Sie nicht aus?
Ranke-Heinemann: Den Gefallen tu ich ihnen nicht. Früher kam man in die Kirche rein durch Zwangstaufe und raus in meinem Fall durch Ketzerverbrennung. Heute spielt sich das nur noch auf der Steuerkarte ab. Ich bin laut Canon 1364 des katholischen Kirchenrechts als Ketzerin exkommuniziert, aber mein Geld ist nicht exkommuniziert. Daran hat die Kirche bei ihrer Sorgfalt, die Kirchensteuer auch der Exkommunizierten wasserdicht zu zementieren, bis hin zum Konkordat mit Hitler, nicht gedacht, dass ich auf diese Weise unkündbar bin. Ich musste einmal 42.000 Mark Kirchensteuer zahlen und bekam sogar einen Dankesbrief von meinem Bistum. Es war das Geld für mein Buch »Eunuchen für das Himmelreich«, für dessen Thesen ich exkommuniziert worden war und für dessen Geld mir mein Bistum nun dankte.
Sie kritisieren die Kirche permanent und geben ihr trotzdem Ihr Geld?
Ranke-Heinemann: Erzbischof Dyba sagte auf einem Katholikentag: »Wann tritt Uta Ranke-Heinemann endlich aus der Kirche aus?« Das möchten sie. Aber da sie das möchten, bleibe ich bestimmt drin. Ich bin der bleibende Protest in der Kirche. |
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»Möglichst kein Kontakt zu Priestern ...«
Gespräch mit Prof. Dr. Hubertus Mynarek, ehemaliger Priester,
Professor für Vergleichende Religionswissenschaften und Fundamentaltheologie, Buchautor
Redaktion: Worin sehen Sie die Ursache für Sexualverbrechen durch Priester?
Mynarek: Erstens in der zölibatären Kasernierung der Priesteramtskandidaten in Seminaren. Das Thema Frauen wird unter Tabu gestellt, man lebt nur unter Gleichgeschlechtlichen. Da wenden sich die sexuellen Energien den labilen und hübschen Jungen zu. Zweitens ist es ja so, dass zum Teil sehr infantile Männer ins Priesterseminar gehen, deren dominante Mütter ihren Sohn unbedingt als Priester am Altar sehen wollen. Und drittens: Wo kommt man am besten - ohne Verdacht zu erregen - an Kinder ran? Als Priester. Viele Pädophile und Homosexuelle treten deshalb ins Priesterseminar ein.
Wie hoch schätzen Sie den Anteil pädophiler Priester?
Mynarek: Unter Priestern muss man mit einem Anteil von 5-6
% doppelt
so viele Pädophile annehmen wie in der übrigen Bevölkerung.
Was kann man Eltern raten?
Mynarek: Das Schizophrene ist doch: Jahrhunderte lang wurden die Priester als begnadete Ausnahmewesen propagiert - und jetzt plötzlich sind die Eltern schuld, wenn sie ihre Kinder dem »falschen« Priester anvertrauen. Ich sage: Kinder sollten am besten gar keinen Kontakt zu Priestern haben.
Sie sind als der erste katholische Theologieprofessor aus der Kirche ausgetreten. Warum?
Mynarek: Es gibt ja auch innerhalb der Kirche ein paar intelligentere Kritiker, die die Missstände in der Kirche ebenso sehen wie ich, aber aus diversen, nicht immer sehr
ehrenwerten, Gründen trotzdem in der Kirche bleiben. Aber gerade sie sind dann für die nachdenklicher gewordenen Laien im katholischen Fußvolk der Grund, ebenfalls in der Kirche zu bleiben. Meine Erfahrung ist: Man pervertiert seinen Charakter, wenn man in einer sich so menschenverachtend und antidemokratisch gebärdenden, streng hierarchisch gegliederten Institution bleibt. Deshalb bin ich ausgetreten. |
Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 6/02
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