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Januar 2007 |
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Wollen Kirche und CDU/CSU Deutschland teilen? Ein entschiedenes Jein zur Gentechnik „Ob Gentechnik gut oder schlecht ist, darüber dürfen bei CSU-Politikern die Kinder und Ehefrauen entscheiden – und die sind alle dagegen“. Dies lies ein „Parteistratege“ die Frankfurter Allgemeine wissen (31.10.2006). Tatsächlich vollzog sich im Jahr 2006 ein bemerkenswerter Schwenk in der bayerischen Regierungspartei. Man sehe im Moment „keinen Bedarf für einen kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen“, verkündete die Landtagsfraktion im September. Man wolle aber „unter größtmöglicher Sicherheit in der Forschung weiterarbeiten“. Sicherheit heißt vor allem: Abstand halten. Während man bislang von mindestens 20 Metern Abstand zwischen einem Feld mit genmanipulierter Saat und einer konventionell oder ökologisch bewirtschafteten Fläche ausging, sprach Landwirtschaftsminister Josef Miller plötzlich von „mindestens 150 Metern“, andere CSU-Politiker forderten gar 300 Meter Abstand. „In der kleinräumigen Agrarlandschaft Bayerns kommt das einem Gentechnikverbot gleich“, so die FAZ (ebenda). Was hat zu diesem Stimmungswandel geführt? Eine große Rolle dürfte gespielt haben, dass die Ablehnung der Genmanipulation aus der Bevölkerung in den Bayerischen Bauernverband, eine wichtige CSU-Wählerklientel, hinübergeschwappt war. Doch das allein hätte nicht genügt. Ohne den Segen der Kirche passiert in Bayern kaum etwas. Und in der Tat: Im Herbst 2006 stieg auch die Vatikankirche groß mit dem Thema Umwelt ein und tat so, als sei das schon immer ihr Anliegen gewesen. Man brachte ein „Klimapapier“ heraus, das jede Menge Wortgeflimmer enthielt, und machte den Abt des ökologisch wirtschaftenden Klosters Plankstetten, Gregor Hanke, zum neuen Bischof von Eichstätt. Hanke, der zu seiner Bischofsweihe gebratenen Ochsen am Spieß aus „biologischer“ Haltung und Dinkelbier servieren ließ, ist erklärter Gentechnik-Gegner. Wenn Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) zu Besinnungstagen in Hankes Kloster einkehrte, soll es so manche heiße Diskussion mit Landwirten aus der Nachbarschaft gegeben haben. Seehofer, bisher eher ein Gentechnik-Befürworter, hält sich in den letzten Monaten auffallend zurück und bereitet ein neues Gentechnik-Gesetz vor. Das allerdings auch unter seinen Parteifreunden auf Bundesebene höchst umstritten sein dürfte. Kanzlerin und Pfarrerstochter Angela Merkel (CDU) befürwortet dien Gentechnik ebenso wie Wissenschaftsministerin Annette Schavan, studierte Theologin und ehedem Leiterin einer bischöflichen Studienstiftung. Der wachsame Leser wird aus alldem unschwer entnehmen können, dass die sich in bestimmten Bereichen abzeichnenden Positionen gegen die Gentechnik in Unionsparteien und Kirchen, von Einzelfällen abgesehen, wohl kaum einer tieferen Überzeugung entspringen dürften. Dem Volk aufs Maul schauen, abwarten und Zeit gewinnen, heißt die Devise. Die großen Kirchen haben sich nie klar gegen die Gentechnik ausgesprochen, sondern betonen meist in wohlgefeilten Worten das Einerseits-andererseits eines entschiedenen Vielleicht. Der Ordinariatsrat Joachim Drumm aus der Diözese Rottenburg (Baden-Württemberg) etwa betont in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung (Sonntag aktuell, 26.11.06), die Kirche sei überhaupt nicht technikfeindlich, die Gentechnik berge auch Chancen, aber die Risiken seien derzeit noch nicht abschätzbar usw. „Dass wir dem lieben Gott nicht ins Handwerk pfuschen sollten – dieser Satz ist mir zu einfach.“ Theologen lieben eben das Komplizierte und Künstliche, Gott aber ist einfach und genial. Und während so mancher Gentechnik-Gegner vielleicht Hoffnung schöpft und an einen echten Gesinnungswandel glaubt, haben die Politiker längst eine neue Strategie ausgeknobelt, die sie doch noch zum Ziel bringen soll. Und manchmal kann man Teile einer solchen Strategie
direkt in der Zeitung lesen. In der Frankfurter Allgemeinen vom 14.
Oktober 2006 berichtet Christian Schwägerl unter der Überschrift
„Bioraffinerien statt Bioziegenkäse“ über die wachsende „geopolitische
Bedeutung“ des „ländlichen Raumes“ durch „Pflanzenenergie“. Kurz
zusammengefasst: Da nachwachsende Rohstoffe zur Energiegewinnung in Zukunft
immer wichtiger werden, nimmt auch der Wert des Ackerbodens wieder zu, auf
dem sie – mit hohem Chemie- und Pestizideinsatz – angebaut werden können.
Dies betrifft aber nicht alle Flächen gleichermaßen. Gefragt sind große
Ackerflächen, wie es sie z. B. im Nordosten Deutschlands auf ehemaligen
LPG-Flächen gibt. Ist da nicht gerade die Katze aus dem Sack geschlüpft? „Aufgabenteilung“ heißt das Stichwort. In eher kleinteiligen Landwirtschaften wie Bayern und Baden-Württemberg geht man den Konflikten zwischen Genmanipulierern und Gentechnikgegnern lieber aus dem Weg und konzentriert sich auf „strukturschwache“ Gebiete, wo weniger Widerstand zu befürchten ist. Diesen Teilrückzug vermarkten Politiker und Kirchen jedoch mediengerecht als ökologische Großtat. Wenn die Zeiten noch schlechter werden, kann man ja immer noch den Rückzug vom Rückzug antreten. Ihre Aktien bei den Konzernen, die an Gentechnik und Agrarindustrie verdienen, werden die Kirchen jedenfalls nicht so rasch abstoßen. Wer genmanipulierte Nahrungsmittel ablehnt, weil sie einen nicht rückgängig zu machenden Eingriff in die Schöpfung Gottes darstellen, der sollte wachsam bleiben. „Eure Rede sei Ja – ja, Nein – Nein“ sagte der Nazarener. Von Wischiwaschi und faulen Kompromissen sagte er nichts.
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