Wie lange würde seine gute Stimmung wohl anhalten? Schon
auf der Fahrt ins nächste Hotel wäre die Chance ziemlich groß, dass er Zeuge eines
Raubüberfalls oder eines anderen Gewaltverbrechens wird. In den Vereinigten Staaten wird
alle 24 Minuten ein Mord begangen, alle fünf Minuten eine Vergewaltigung. Auf zwei
Amerikaner, Frauen und Kinder eingerechnet, kommen mindestens drei private
Schusswaffen.
Alle 92 Minuten wird ein Kind erschossen - oder ein Kind, vom eigenen Vater im
Waffengebrauch ausgebildet, erschießt Mitschüler und Erwachsene.
Was ist ein Leben wert? Amerikanische Schulkinder (und sie sind
diesbezüglich nicht die einzigen auf der Welt) haben am Ende ihrer Schulausbildung
durchschnittlich 18.000 Morde im Fernsehen gesehen. Wenn dann wieder einer von den 3.316
Männern oder 49 Frauen, die in diesem Land auf ihre Hinrichtung warten, die tödliche
Spritze bekommen hat, brechen Anhänger der Todesstrafe vor dem Gefängnis in Jubelschreie
aus.
"Warum werden diese Menschen getötet?", fragt der ahnungslose
Besucher jemanden aus der freudig erregten Menge. "Das hat abschreckende
Wirkung", erhält er zur Antwort. Unser Forschungsreisender wird sehr nachdenklich-
zumal, da er wenig später erfährt, dass die Anzahl der Morde in den 38 amerikanischen
Bundesstaaten "mit Todesstrafe" keineswegs niedriger ist als in den 12 Staaten
ohne diese Einrichtung.
Aber vielleicht ist er nur im falschen Land gelandet? Vielleicht gibt es
die Todesstrafe nur hier? Weit gefehlt: Knapp die Hälfte der Staaten der Erde, nämlich
94 von 193, praktiziert heute die Todesstrafe - und in 27 weiteren Ländern ist sie
gesetzlich erlaubt, wird nur in den letzten Jahren nicht mehr angewendet.
Dem chinesischen Staat käme ein Verzicht auf die Anwendung der
Todesstrafe nicht in den Sinn - zumal sich mit den Körpern der Hingerichteten Geld
verdienen lässt. Für etwa 50 000 Mark kann sich ein reicher Europäer oder Amerikaner
eine Niere kaufen. Er fliegt nach China - und die entsprechende Hinrichtung wird
terminlich auf seine Wünsche abgestimmt.
Vielleicht sieht es in Europa besser aus? In Deutschland gibt es zwar
keine Todesstrafe für Erwachsene - aber jährlich werden 130.890 Embryos "zum Tode
verurteilt" und abgetrieben. Das sind ca. 359 Abtreibungen pro Tag, oder 15 pro
Stunde - alle 4 Minuten eine Abtreibung. Weltweit werden jährlich 50 Millionen werdende
Menschen abgetrieben, das sind 3 Abtreibungen alle 2 Sekunden. Welches Bild würde sich
dem Besucher bieten, könnte er auch für die materiellen Augen unsichtbare Vorgänge
wahrnehmen? Pro Minute werden 90 Seelen, die sich auf ihre Inkarnation vorbereiten, unter
großem Schmerz wieder von der Erde "weggetrieben". Und das pausenlos, rund um
die Uhr.
Eine Gesellschaft, die so mit dem werdenden Leben umgeht, scheint das
Leben eher gering einzuschätzen. Es gibt zwar mächtige Institutionen, Kirchen genannt,
die sich gegen Abtreibungen aussprechen und vorgeben, die ethischen Werte hochzuhalten -
die aber andererseits nicht davor zurückschrecken, in ihrem Katechismus die Todesstrafe
für zulässig zu erklären ebenso den so genannten gerechten Krieg.
Und Krieg steht nicht nur auf dem Papier. Derzeit gibt es etwa 20
bewaffnete Konflikte auf unserer Erde. Allein im 2. Weltkrieg wurden 60 Millionen Menschen
getötet. Kann ein Krieg gerecht sein, wenn er dazu führt, dass Menschen ihr Leben lassen
müssen?
Zahllose andere Menschen verlieren ihr Leben aus Mangel am täglichen
Brot. Mangel? In den Vereinigten Staaten landen jedes Jahr ein Viertel der hergestellten
Lebensmittel auf dem Müll! Gleichzeitig sind auf der Welt 800 Millionen Menschen
unterernährt. 200 Millionen davon sind Kinder. Jährlich sterben 40 Millionen Menschen an
Unterernährung, jede Sekunde einer, alle fünf Sekunden ein Kind. Gleichzeitig besitzen
358 Milliardäre genauso viel, wie das Jahreseinkommen von rund der Hälfte der
Weltbevölkerung ausmacht. 358 Milliardären stehen etwa 100 Millionen Menschen
gegenüber, die in Sklaverei leben.