Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

 Ausgabe 10/98

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Wie würde ein Außerirdischer unsere Welt sehen?

Was ist das Leben wert?

Der blaue Planet - der Planet des Lebens! Stellen wir uns vor, ein Bewohner eines anderen Sterns würde sich der Erde nähern, um etwas über das Leben auf diesem Planeten und über seine Bewohner zu erfahren. Erwartungsvoll landet er vor dem großen Palast der Vereinten Nationen in New York. Hocherfreut liest er dort die Menschenrechtskonvention und stellt fest: Das Leben ist hier das höchste Gut, es soll geachtet und geschützt werden. Wohlgemut beginnt er nun seine Reise um diese Erde, um zu erleben, wie all dies in der Praxis aussieht.

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Aus der Ferne sieht unsere Zivilisation faszinierend aus.
Doch was begegnet uns beim Näherkommen?

Wie lange würde seine gute Stimmung wohl anhalten? Schon auf der Fahrt ins nächste Hotel wäre die Chance ziemlich groß, dass er Zeuge eines Raubüberfalls oder eines anderen Gewaltverbrechens wird. In den Vereinigten Staaten wird alle 24 Minuten ein Mord begangen, alle fünf Minuten eine Vergewaltigung. Auf zwei Amerikaner, Frauen und Kinder eingerechnet, kommen mindestens drei private Schusswaffen. Alle 92 Minuten wird ein Kind erschossen - oder ein Kind, vom eigenen Vater im Waffengebrauch ausgebildet, erschießt Mitschüler und Erwachsene.

Was ist ein Leben wert? Amerikanische Schulkinder (und sie sind diesbezüglich nicht die einzigen auf der Welt) haben am Ende ihrer Schulausbildung durchschnittlich 18.000 Morde im Fernsehen gesehen. Wenn dann wieder einer von den 3.316 Männern oder 49 Frauen, die in diesem Land auf ihre Hinrichtung warten, die tödliche Spritze bekommen hat, brechen Anhänger der Todesstrafe vor dem Gefängnis in Jubelschreie aus.

"Warum werden diese Menschen getötet?", fragt der ahnungslose Besucher jemanden aus der freudig erregten Menge. "Das hat abschreckende Wirkung", erhält er zur Antwort. Unser Forschungsreisender wird sehr nachdenklich- zumal, da er wenig später erfährt, dass die Anzahl der Morde in den 38 amerikanischen Bundesstaaten "mit Todesstrafe" keineswegs niedriger ist als in den 12 Staaten ohne diese Einrichtung.

Aber vielleicht ist er nur im falschen Land gelandet? Vielleicht gibt es die Todesstrafe nur hier? Weit gefehlt: Knapp die Hälfte der Staaten der Erde, nämlich 94 von 193, praktiziert heute die Todesstrafe - und in 27 weiteren Ländern ist sie gesetzlich erlaubt, wird nur in den letzten Jahren nicht mehr angewendet.

Dem chinesischen Staat käme ein Verzicht auf die Anwendung der Todesstrafe nicht in den Sinn - zumal sich mit den Körpern der Hingerichteten Geld verdienen lässt. Für etwa 50 000 Mark kann sich ein reicher Europäer oder Amerikaner eine Niere kaufen. Er fliegt nach China - und die entsprechende Hinrichtung wird terminlich auf seine Wünsche abgestimmt.

Vielleicht sieht es in Europa besser aus? In Deutschland gibt es zwar keine Todesstrafe für Erwachsene - aber jährlich werden 130.890 Embryos "zum Tode verurteilt" und abgetrieben. Das sind ca. 359 Abtreibungen pro Tag, oder 15 pro Stunde - alle 4 Minuten eine Abtreibung. Weltweit werden jährlich 50 Millionen werdende Menschen abgetrieben, das sind 3 Abtreibungen alle 2 Sekunden. Welches Bild würde sich dem Besucher bieten, könnte er auch für die materiellen Augen unsichtbare Vorgänge wahrnehmen? Pro Minute werden 90 Seelen, die sich auf ihre Inkarnation vorbereiten, unter großem Schmerz wieder von der Erde "weggetrieben". Und das pausenlos, rund um die Uhr.

Eine Gesellschaft, die so mit dem werdenden Leben umgeht, scheint das Leben eher gering einzuschätzen. Es gibt zwar mächtige Institutionen, Kirchen genannt, die sich gegen Abtreibungen aussprechen und vorgeben, die ethischen Werte hochzuhalten - die aber andererseits nicht davor zurückschrecken, in ihrem Katechismus die Todesstrafe für zulässig zu erklären ebenso den so genannten gerechten Krieg.

Und Krieg steht nicht nur auf dem Papier. Derzeit gibt es etwa 20 bewaffnete Konflikte auf unserer Erde. Allein im 2. Weltkrieg wurden 60 Millionen Menschen getötet. Kann ein Krieg gerecht sein, wenn er dazu führt, dass Menschen ihr Leben lassen müssen?

Zahllose andere Menschen verlieren ihr Leben aus Mangel am täglichen Brot. Mangel? In den Vereinigten Staaten landen jedes Jahr ein Viertel der hergestellten Lebensmittel auf dem Müll! Gleichzeitig sind auf der Welt 800 Millionen Menschen unterernährt. 200 Millionen davon sind Kinder. Jährlich sterben 40 Millionen Menschen an Unterernährung, jede Sekunde einer, alle fünf Sekunden ein Kind. Gleichzeitig besitzen 358 Milliardäre genauso viel, wie das Jahreseinkommen von rund der Hälfte der Weltbevölkerung ausmacht. 358 Milliardären stehen etwa 100 Millionen Menschen gegenüber, die in Sklaverei leben.

Es gibt auch Positives

Was ist das Leben wert? Natürlich sieht unser Betrachter vom anderen Stern auch Positives; er sieht Hilfsbereitschaft und Versöhnung, Verständnis und Einsatz für andere. Doch müsste das angesichts der großen Vorgabe der Menschenrechtserklärung nicht selbstverständlich sein? Müsste es nicht auch selbstverständlich sein, dass der Mensch seine eigene Lebensgrundlage achtet, dass er Tiere und Pflanzen nicht mutwillig zerstört? Die Erde ist das Biotop des Menschen - Biotop heißt "Platz für das Leben". Doch dieses Biotop leidet unter den Tötungsmechanismen des Menschen, der die Meere verschmutzt hat, so dass die Fische sterben, der den Ozongürtel der Erde ruiniert, so dass die Leben spendende Sonne inzwischen zur tödlichen Gefahr wird. Auch über die Hälfte der Lungen der Erde, der Tropenwälder ist schon zerstört.

Und was ist das Leben der Tiere wert? Jedes Jahr werden weltweit 15 Millionen Tiere bei Tierversuchen umgebracht. In Südeuropa sterben jährlich 300 Millionen Singvögel, weil sie dem Menschen so gut schmecken. Deutsche Jäger erschießen in deutschen Wäldern nicht nur Rehe und Hasen sondern "aus Versehen" auch 340.000 Haustiere, die dort herumlaufen. Jedes Jahr werden allein in Deutschland 15 Millionen Rinder geschlachtet, 20 Millionen Schweine und 1 Million Schafe.

Der Mensch scheint das Leben gering zu schätzen. Er tut so, als könne er darüber verfügen. Ist das Leben nicht ein Geschenk Gottes? Ist nicht in allem Leben Gott? Ist nicht das Leben Gott und Gott das Leben? Besteht der Mensch nur aus Haut und Knochen, nur aus Materie? Oder signalisiert der Umstand, dass er Wünsche, Sehnsüchte, Trauer hat nicht, dass mehr als Haut und Knochen in ihm ist? Spricht nicht alles dafür, dass das, was wir als Leben im Äußeren sehen, der menschliche Körper, lediglich die Einkleidung des Eigentlichen ist, was dahinter steckt, nämlich der unsterblichen Seele? Könnte es nicht sein, dass diese Seele dem äußeren Leben den eigentlichen Wert gibt, nämlich den inneren, wenn man so will, den göttlichen?

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Immer mehr - vor allem junge Menschen - gehen davon aus, dass diese Seele sich etwas vorgenommen hat auf dieser Erde, dass wir nicht nur einmal hier sind, dass wir öfters die Gelegenheit bekommen, uns zu inkarnieren. Und wenn das so ist, dann bekommt das Leben eine ganz neue Dimension, allerdings auch die Tötung des Lebens. Dann ist die Tötung des Lebens die Zerstörung der Chance, dass die Seele das tut, was sie sich in diesem Leben vorgenommen hat, nämlich sich zu läutern, um wieder rein zu werden und am Ende zu Gott zurückzukehren.

Wem sein Leben auf dieser Erde etwas wert ist, weil er bewusst lebt und die Tage nützt, um dem Sinn seines Lebens näher zu kommen, der wird auch das Leben auf dieser Erde schätzen - gleich, in welcher Gestalt es ihm begegnet.


 


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Fernsehtipp
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