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Kirchliche Verbrechen:
Päpstliche Vergangenheitsbewältigung
Geheimhalten statt
Bereinigen
Seit dem Jahre 1542 wurde das Foltern und Morden
unschuldiger Menschen im Auftrag der Kirche schriftlich festgehalten. Doch
warum bleibt das Archiv von 1903 bis heute verschlossen?
Der kirchliche Massenmord durch die „Heilige Kongregation
der Universalen Inquisition“ an Juden, Andersgläubigen (Ketzern) und Frauen
(Hexen) ist längst weitgehend bekannt. Auch die Inquisitionsprozesse gegen
Galilei, Savonarola und Giordano Bruno sind dokumentiert. Wenn der Papst
jetzt 4.500 Bände von Akten der Inquisition zugänglich macht, so
offensichtlich nur deshalb, um das Image seiner Kirche zum Jubiläumsjahr
etwas aufzupolieren.
Kardinal Ratzinger, heutiger Leiter der Kongregation für die Glaubenslehre
(der Nachfolgebehörde der Inquisition) versteht es jesuitisch meisterhaft,
zu begründen, warum das Archiv ab 1903 geschlossen bleibt: Akten aus diesem
Zeitraum würden zum größten Teil noch lebende Personen oder deren Angehörige
betreffen ...
Wie bitte? 1903 begann das Papsttum von Pius X. Die Woche schreibt: „Dieser
später Heiliggesprochene entfesselte während seines Papsttums mit den
klassischen Mitteln der Inquisition - Denunziantentum, Schnüffelei und
Intrige - eine Kampagne gegen die Öffnung der Kirche zur modernen Welt, ‘die
ihresgleichen sucht’ (so die Kirchenhistorikerin Emma Fattorini). Pius X.
stütze sich dabei auf die Geheimorganisation ‘sodalitium pianum’, einer
Spionageorganisation außerhalb der kirchlichen Hierarchie. Ihre Mitglieder,
schrieb Umberto Benigni, Chef des Geheimbundes, hatten ‘total päpstlich,
konterrevolutionär, Feind des ganzen sozialen und politischen Liberalismus’
zu sein.“
Pius X. habe diese Clique als „die wohlverdienten Söhne der Kirche, die eine
gerechte Schlacht der Kirche und des Heiligen Stuhls führen, gegen die
inneren und äußeren Feinde“. Die Woche fragt: „Kann die Kirche - Glasnost
hin, Glasnost her - einen zum Heiligen erklärten Papst als schmutzigen
Intriganten desavouieren?“
Noch ein weiteres Archiv bleibt geschlossen: die Kooperation des Vatikans
mit Hitler und das Schweigen des Papstes zum Holocaust. „Auch dies, um einen
Papst zu schützen“, schreibt Die Woche. Warum schwieg Pius XII. zum
Holocaust? Und warum konnten Tausende hoher Nazis 1945 mit Diplomatenpässen
des Vatikans nach Lateinamerika auswandern?
Jesus von Nazareth gebot Seinen Nachfolgern: eigene Schuld zu erkennen, zu
bereuen, zu bereinigen und nicht mehr zu tun. Von Geheimhaltung in Archiven
sprach Er nicht. |
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