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Ausgabe 13/98

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Schriftsteller Rolf Hochhuth in Die Zeit:

"Nato im Osten -
das gibt Krieg!
"

Der Schriftsteller Rolf Hochhuth warnt in der Zeit vom 28.5.1998 vor der bereits eingeleiteten Osterweiterung der Nato. Hochhuth schreibt:

"Keine Frage, dass die Nato mit ihrer Abwerbung der Anrainerstaaten Russlands ins atlantische Bündnis auf Stabilisierung des Friedens zielt - dass sie aber dennoch damit die Weichen zum Dritten Weltkrieg stellt. Ein Dritter Weltkrieg wird möglich sein, sobald diese unverantwortliche Isolierung der Russen sie in die Arme Pekings zurückgescheucht hat. Mit den Chinesen werden in zwanzig Jahren so viele Menschen im östlichen Lager versammelt sein, dass dann die Aufopferung einer Milliarde ihrer Untertanen noch als realistisch kalkuliert werden kann - in jenem Sinne, in dem Hitler zu seinem Staatssekretär von Weizsäcker gesagt hat: ‘Der Frankreichfeldzug wird mich eine Million Mann kosten, die anderen aber auch. Und die können sich das nicht leisten!’ Noch gibt es keinen neuen Hitler auf der Welt, dem eine solche Kalkulation zuzutrauen wäre - aber in zwanzig Jahren?"

1895: Nach knapp 20 Jahren kam der Krieg

Hochhuth erinnert daran, dass Bismarck sich 1895 weigerte, ein neues Schlachtschiff auf seinen Namen taufen zu lassen, weil er voraussah, dass England durch die Aufrüstung Deutschlands in den Krieg getrieben werden würde. Er sagte einen Krieg innerhalb von 20 Jahren voraus - und sollte exakt recht behalten. Hochhuth fährt fort:

"Als Sieger von 1918 sagte Clemenceau voraus, in zwanzig Jahren stünden die Deutschen erneut am Rhein. Wo werden in zwanzig Jahren die Russen stehen? Prophet muss niemand sein, zu wissen, dass keine Großmacht ... es hinnehmen kann, derartig isoliert zu werden, wie Russland das zur Zeit ... geschieht."

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Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, so Hochhuth, habe Bismarck verhindert, dass eine preußische Prinzessin auf den bulgarischen Thron gelangte, um Russland nicht zu provozieren. "Man messe an dieser Harmlosigkeit - was bedeutete geopolitisch schon Bulgarien verglichen mit Russland? - den geradezu kriegstreibenden Wahnwitz des Außenministers Kinkel, sich zum Wortführer der Nato zu machen - ausgerechnet als Deutscher!"

Nicht zu vergessen: das Rüstungsgeschäft!

"Gibt es noch einen Grund für die Nato-Osterweiterung? O ja: Das Rüstungsgeschäft! ... Denn wenn diese Länder vollwertige Nato-Partner werden wollen - wie könnten sie sich davor drücken, beträchtliche Prozente ihrer Staatsausgaben für neue Waffen auch aus Westeuropa auszugeben? ... Sind diese Waffenexporte es wert, die Russen den Chinesen zuzutreiben, was damit zwangsläufig geschehen muss?"

US-Politiker Kissinger und Brzezinski:
Russland als "überflüssiges Land"

Der russische Dichter Alexander Solschenizyn wirft in der Welt am Sonntag (21.6.1998) den USA, Frankreich und Großbritannien vor, Russland getäuscht zu haben. Sie hätten Gorbatschow versichert, die NATO niemals nach Osten ausdehnen zu wollen. Erst auf dieses Versprechen hin zogen sich die sowjetischen Truppen aus Osteuropa zurück. Solschenizyn wirft dem Westen außerdem vor, Russland versklaven und möglicherweise sogar aufteilen zu wollen. Kissinger und Brzezinski hätten Russland als "überflüssiges Land" bezeichnet. "Amerika unterstützt nach Kräften den antirussischen Impuls der Ukraine." Es bekämpfe andererseits die pro-russische Haltung Weißrusslands, weil dieses "der Idee einer ‘Schwarzmeer-Baltischen Union’, eines ‘cordon sanitaire’ gegen Russland im Wege steht. ... Man kann sich schwerlich ein solches Maß an Unterschätzung einer lange währenden Schwäche Russlands ... erlauben."


Aktualisierung
: Im Jahr 2007 zeigen sich zunehmende Probleme wegen der teils unkritischen Gefolgschaft z. B. von Polen oder Tschechien gegenüber der USA - unmittelbar vor den Toren Russlands. Diese beiden Regierungen gehörten auch zu der Koalition der "Willigen", die ohne UN-Mandat und unter der Führung der USA im Jahr 2003 dem Irak den Krieg erklärten.
Auf dem NATO-Gipfel im April 2008 erklärte der russische Präsident Putin, ein von den USA forcierter NATO-Beitritt der Ukraine oder von Georgien,  beides ehemalige Sowjetrepubliken, würde von Russland als Bedrohung betrachtet werden. Putin bot dem Westen stattdessen ein freundschaftliches und von Rücksichtnahme geprägtes Verhältnis an.

Weitere Aktualisierung: Der von Georgien begonnene Kaukasus-Krieg im August 2008. Siehe dazu eine Stellungnahme von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder:
http://www.bild.de/BILD/news/politik/2008/09/02/gerhard-schroeder-georgien/westen-schuld-an-krise-mit-russland.html


 



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