Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 20/98

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Wiederholt sich die Weltwirtschaftskrise von 1929?

Wirtschaft am Abgrund

"Jedes Mal, wenn wir bei der Asienkrise glauben, ein Licht im Tunnel zu sehen, kommt in Wahrheit nur ein Zug auf uns zu", stöhnte der Geschäftsführer einer amerikanischen Beratungsagentur. Nach Asien fiel auch die russische Wirtschaft ins Bodenlose. Wenig später zogen Anleger 15 Milliarden Dollar aus Brasilien ab - und die Krise in Lateinamerika bedroht nun auch amerikanische Banken, die sich dort engagiert haben. "Das Szenario ist beängstigend: Würde mit den Vereinigten Staaten der größte aller Dominosteine angetippt, dann würde die Krise unweigerlich auch auf Europa übergreifen. Das wäre dann die Weltwirtschaftskrise", so Der Spiegel.

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"Die Weltwirtschaftskrise"

Die Auswirkungen der monetären Kettenreaktion, die sich seit etwa einem Jahr rund um den Globus zeigen, sind bereits jetzt verheerend. Zehn Millionen Menschen haben allein in Asien aufgrund der Krise ihre Arbeitsplätze verloren. "25 Millionen Asiaten, die vor einem Jahr noch zur aufstrebenden Mittelklasse gezählt wurden, sind über Nacht verarmt", schreibt Facts. In Japan geben jede Woche 400 Firmen auf. In Indonesien drohen neue Armutsrevolten. Eine Million asiatischer Kinder sind mittlerweile in der Kinderprostitution gestrandet, zwei Millionen russische Kinder leben auf der Straße. Russland ist inzwischen weitgehend zum Tauschhandel zurückgekehrt, drei Viertel des Binnenhandels bestehen aus Tauschgeschäften: Pfifferlinge gegen Fahrradschläuche, Sprechstunden gegen Gurken, Särge gegen Fischkonserven.

40 % der Weltwirtschaft befinden sich bereits in einer Rezession. Der Wirtschaftsprofessor Wilhelm Hankel spricht in der Zeit (1.10.1998) von der "zweiten großen Wirtschaftskrise des ausgehenden Jahrhunderts". Der "Schwarze Freitag", der 25. Oktober 1929, jährt sich gerade zum 69. Mal. Könnte sich all das wiederholen?

Heute sind die Banken zwar vorsichtiger und vergeben weniger Kredite für Aktienspekulationen als vor 70 Jahren. Doch dafür mischen sie selbst bei abenteuerlichen Spekulationen mit und kommen in Bedrängnis. Die Schweizer UBS-Bank verlor drei Milliarden Franken, weil sie sich an dem bankrott gegangenen Hedge-Fonds (siehe unten) LTCM (Long Term Capital Management) beteiligt hatte. Die Dresdner Bank verlor eine Viertelmilliarde Mark. Die Deutsche Bank, angeblich unbeteiligt, beteiligte sich dennoch mit einer halben Milliarde an einer nächtlichen Rettungsaktion von 14 Banken und Investmenthäusern, die offensichtlich notwendig wurde, um eine allgemeine Bankenpanik ähnlich der von 1929 zu verhindern.

Gerade an den Hedge-Fonds (siehe unten) zeigt sich der "globale Irrsinn" der Spekulation, den Altbundeskanzler Helmut Schmidt in der Zeit anprangerte. Zwei Wirtschafts-Nobelpreisträger hatten durch ihr "geniales" System dem LTCM-Fonds vor zwei Jahren noch Renditen von 40 % beschert - doch Wirtschaftskrisen wie die gegenwärtige waren in diesem System offensichtlich nicht eingeplant.

"Atomwaffe der neunziger Jahre"

"Längst ist das Weltfinanzsystem zum globalen Casinobetrieb verkommen", schreibt der Spiegel. Die gigantische Summe von 1,5 Billionen Dollar vagabundiert ständig um den Erdball, auf der Suche nach bestmöglicher Rendite. Ein amerikanischer Wirtschaftsfachmann hat diese unberechenbaren Kapitalströme die "Atomwaffe der neunziger Jahre" genannt. Die Währungen der einst als "Tigerstaaten" gepriesenen asiatischen Schwellenländer und Russlands haben sie im Handumdrehen geknackt - wer garantiert, dass die Industrieländer dagegen gefeit sind? Prof. Hankel hält mittelfristig sogar den Euro für bedroht.

Zwar kann die Geldpolitik heute wesentlich flexibler gehandhabt werden als vor siebzig Jahren. Es gibt heute keine Goldbindung mehr, weil man inzwischen erkannt hat, dass Geld bereits durch die Leistungen der Volkswirtschaft gedeckt ist. Doch es gibt durchaus deflationäre Tendenzen.

Zum Beispiel Japan. Dort hat sich die Wirtschaft vom Platzen einer Spekulationsblase Ende der achtziger Jahre nie ganz erholt. Die private Nachfrage stagniert trotz niedrigster Zinsen - lediglich die Firmen, die Panzerschränke herstellen, haben hohe Zuwächse. Immer mehr Japaner schließen ihr Geld lieber zuhause ein, als es zu verleihen. Sie haben Angst vor der Zukunft.

Japan sitzt in einer klassischen "Liquiditätsfalle", wie sie der bekannte Ökonom Keynes in den dreißiger Jahren beschrieb.

In einem Land wie Russland, in dem ohnehin nur ein Viertel der Menschen überhaupt ein Konto besitzen, lässt sich eine Deflation im fortgeschrittenen Stadium beobachten: Es gibt in weiten Teilen des Landes keine funktionierende Währung mehr, sondern nur noch Ersatzwährungen wie z. B. Wodka.

Schreckgespenst Deflation

Doch auch in den Industrienationen des Westens macht das Schreckgespenst Deflation die Runde. Die Inflation, früher ein lästiger Begleiter, ist kaum noch vorhanden; das Preisniveau steigt kaum noch. Viele fordern schon ungeduldig eine Senkung der Leitzinsen, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Doch dies könnte ein Trugschluss sein. "Niedrige Zinsen sind kein Heilmittel", schreibt die Süddeutsche Zeitung (17.9.1998) und fügt hinzu: "Was wäre dann gewonnen? Kein einziges Investitionsprojekt wird deshalb zusätzlich angeschoben, kein Auto mehr gekauft".

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Der Schein trügt: Die Türme der Finanzwelt wachsen nicht in den Himmel

Die problematische Rolle von Kapital und Rendite wird in der Regel übersehen, wenn nach den Ursachen von Wirtschaftskrisen geforscht wird. So wird es den Krisenländern wie Thailand, Indonesien, Korea oder Russland meist als "bodenlose Dummheit" ausgelegt, dass sie ihre Währungen auf Gedeih und Verderb in einem festgelegten Wechselkurs zum Dollar gehalten hatten. Dies sei eine Einladung an die Spekulanten gewesen, die Kurse zum Absturz zu bringen, sobald die Währung dieser Länder gegenüber dem Dollar erkennbar überbewertet war. Dies ist auch tatsächlich so abgelaufen - doch aus welchem Motiv wurde diese "Dummheit" begangen, die übrigens von den schlauen Beratern aus dem Westen erst hinterher als solche erkannt wurde? Prof. Hankel gibt eine Erklärung: "Die hohen Renditen der führenden Industrieländer ... locken das Kapital dieser Welt an. Wer sonst an diesem ‘Kapitalsegen’ teilhaben will, muss seine Währung an den Dollar anbinden. Nur müssen diese Kapitalimportländer dann ihr Renditeangebot auch doppelt absichern: Sie müssen Inflation und Abwertung vermeiden. Und genau dies wollten oder konnten sich viele Länder nicht leisten. Das enttäuschte Auslandskapital zog sich wieder zurück; ihm folgten Millionen von Inlandssparern, die ihr Geld sicherheitshalber in Dollar oder Mark angelegt hatten - die Krise war oder ist da!" (Die Zeit, 1.10.1998)

Es wird nun verständlich, weshalb zum Beispiel Russland in der Krise mit viel zu hohen Zinsen die eigene Wirtschaft noch mehr abwürgte: Man wollte durch dieses "Zuckerbrot" das Kapital trotz Krise möglichst lange im Land halten.

Das Beispiel Russland zeigt auch, dass es noch weitere Gründe gibt, weshalb die meisten Staaten feste gegenüberfrei beweglichen Wechselkursen bevorzugen. Der fallende Rubelkurs machte es vielen Unternehmen nicht nur unmöglich, ihre in westlicher Währung aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen. Sie konnten auch die Ersatzteile und Vorprodukte nicht mehr aus dem Ausland importieren, die sie für ihre Produktion benötigen. In den Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion hatte man versäumt, die heimische Infrastruktur neu aufzubauen. Sogar Lebensmittel wurden in großer Menge importiert, was viele heimische Produzenten in den Ruin trieb. Jetzt rächt sich die totale Öffnung der Märkte.

Feste Wechselkurse sind nur dann zwischen Ländern auf längere Sicht einzuhalten, wenn ihre Volkswirtschaften ähnlich sind und ihre Wirtschaftslenker an einem gemeinsamen Strang ziehen. So haben zum Beispiel Deutschland und Österreich seit vielen Jahren feste Wechselkurse, ohne dass daraus Schwierigkeiten erwachsen. Die Weltmacht USA jedoch, die aus dem Status einer Weltwährung des Dollars erheblichen Nutzen zieht, wird wohl kaum mit Entwicklungsländern eine gemeinsame Geldpolitik anstreben, selbst wenn dies möglich wäre.

Der Wirtschaftsaufschwung der ersten Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte in einem System fester Wechselkurse, dem Bretton-Woods-System (siehe unten). Als es Anfang der siebziger Jahre an seinen Schwächen zerbrach, probierte man es einige Jahre mit frei "floatenden" Kursen. Doch schwankende Wechselkurse erhöhen das Risiko jeder internationalen Handelstransaktion und verzerren den Wettbewerb. Alle Versuche, z. B. im europäischen Rahmen feste Wechselkurse oder zumindest "Zielzonen" fester Kurse einzuhalten, wurden früher oder später von Spekulanten geknackt.

Die Spekulanten legen immer wieder den Finger in eine Wunde unseres Geldsystems: Die Notenbanken sind unter den gegebenen Umständen nur schwer in der Lage, die Geldmenge und ihren beständigen Umlauf zu kontrollieren. Dies wäre aber die Voraussetzung dafür, eine wirkungsvolle Weltwährungsordnung zu errichten, nach der heute wieder gerufen wird (siehe unten).

Gleichzeitig vergrößert sich ständig das leistungslos erzielte Einkommen in den Händen weniger - für das aber andere arbeiten müssen. Dieses drängt, auf der Suche nach größtmöglicher Rendite, an die Börse und bläht diese auf.

Während die Wirtschaftsleistung der Industrieländer sich seit 1980 um 60 % erhöhte, stieg das an der Börse angelegte Kapital in diesem Zeitraum um 1.388 %. Und 98 % des Geldes, das zwischen den Ländern hin- und her fließt, dient nicht dem Welthandel, also dem Austausch von Waren und Dienstleistungen, sondern allein der Spekulation. Gleichzeitig wissen immer mehr Menschen auf der Erde nicht, wie sie ihre elementarsten Bedürfnisse erfüllen können.

Ruf nach Kontrolle

Dieses vagabundierende Kapital sorgt für beständige Unruhe, ist von Stimmungen abhängig, kann ganze Währungen kippen. Eine national eigenständige Politik ist unter diesen Umständen kaum noch möglich - auch aufgrund der immensen Verschuldung, unter der die meisten Länder leiden. Kein Wunder, dass der Ruf nach mehr Kontrolle laut wird, dass Länder wie Malaysia bereits Abschottungsmaßnahmen wie Devisenkontrollen ergriffen haben, um sich vor Raubzügen der Spekulanten zu schützen. Nun wird vielerorts der "Markt" für seine kapitalistischen Verzerrungen und Auswüchse verantwortlich gemacht.

Sich abzuschotten kann jedoch nur eine Notlösung sein. Eine stärkere Aufsicht über riskante Devisengeschäfte und ihre Einschränkung wäre hingegen sicher wünschenswert. In Deutschland sind Hedge-Fonds nicht zugelassen. Solange sie aber in den USA erlaubt sind, bleibt das Problem bestehen. Und falls sie dort verboten werden, gehen deren Manager samt Geld eben in die Karibik.

Es müssten also alle Länder an einem Strang ziehen um solche Maßnahmen durchzusetzen. Ähnliches gilt für die Besteuerung von kurzfristigen Devisentransaktionen, wie sie Prof. Tobin schon vor 20 Jahren vorschlug.

Große Konzerne auf dem Vormarsch

Von der internationalen Uneinigkeit profitieren besonders die multinationalen Konzerne. In die Krisennachrichten der letzten Monate mischte sich bisweilen die Diskussion um ihre Rolle, weil sie durch immer neue Fusionen von sich reden machen. "Globale Mega-Konzerne geraten außer Kontrolle" lautete eine Schlagzeile der Süddeutschen Zeitung im August. Ebenfalls im August kaufte der britische Mineralölkonzern BP für 48 Milliarden Dollar den US-Konzern Amoco - die (bisher) größte Industrie-Fusion aller Zeiten. Gleichzeitig lassen sich die multinationalen Konzerne in einer Geheimverhandlung namens MAI (Multilateral Agreement on Investigations) ihr "Recht" absichern, möglichst überall auf der Welt ohne Einschränkungen sozialer oder umweltpolitischer Art investieren zu können. Während der Stern das "Modell eines globalen Kapitalismus" für "entzaubert" hält, arbeiten die Multis am "Schlussstein in der Architektur der neoliberalen Globalisierung" (Freitag). Die große Krise dürfte dies erleichtern - denn wer achtet in solchen Zeiten schon auf Gewerkschaftsrechte und Umweltschutz?

Als erste trifft die Krise den Mittelstand, in Russland etwa die jungen Unternehmer, die den Schritt in die Selbständigkeit wagten. Zu den Verlierern gehören auch die Kleinanleger an der Börse, denen man, wie 1929, weisgemacht hat, so könne man schnell reich werden. Der Verlust der einen ist der Gewinn der anderen - denn entgegen einer weit verbreiteten Meinung werden an der Börse keine Vermögen "vernichtet" - sie werden nur umverteilt (siehe unten).

Der "globale Irrsinn" wird also weitergehen. Wer will es asiatischen Staatsmännern verdenken, dass sie dem "christlichen" Westen inzwischen abgrundtief misstrauen, der sein aberwitziges System einer gnadenlosen Bereicherung auf Kosten anderer rund um den Globus verbreitet hat?

Aus dem Geld, das - recht gehandhabt und verwaltet - das Leben der Menschen erleichtern könnte, hat man eine Ware gemacht, die sich angeblich von selbst vermehrt. Doch der Geldvermehrung liegt letztlich die Ausbeutung des Nächsten zugrunde, wodurch die Ungleichheit zwischen den Menschen immer größer wird.

Experten wissen nicht mehr ein noch aus

Die Analyse der wirtschaftlichen Phänomene macht auch etwas anderes deutlich: Die Experten wissen nicht mehr ein noch aus. Wo der Egoismus bzw. das Ausnutzen anderer die Entscheidungen bestimmt, bewegt man sich noch tiefer in den Abgrund hinein.

Wer alles nur für sich will und sich auf Kosten anderer bereichert, der wird innerlich immer ärmer und irgendwann auch äußerlich verarmen.

Heute reich, morgen arm

Was du heute denkst und tust, das sind die Samen für morgen. Deshalb wird der Reiche, der sich nur um sein Wohl und seine Habe bemüht, gemäß seinem Leben nach und nach alles verlieren, bis er an Leib und Seele so arm geworden ist, dass er um sein Lebensbrot betteln oder es schwer verdienen muss.
Jeder empfängt, ... so wie er denkt und sich gibt.

(Aus: Vaterworte auch an Dich, Verlag DAS WORT,
http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.
cgi?article=s108de&type=desc&rtopic=zurverinnerlichung
)

Wer jedoch an dem Ort, an dem er heute steht, nach einer höheren Ethik und Moral zu leben beginnt und seinen Egoismus schrittweise überwindet, der wird auch im Äußeren Wege aus der Krise finden. Jesus von Nazareth hat es in der Bergpredigt gelehrt: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, dann wird euch alles andere hinzu gegeben werden." (Matthias Holzbauer, Diplom-Sozialwirt)

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Weitere Informationen zu diesem Thema in der Zeitschrift "Der Prophet Nr. 4", "Die Betriebswirtschaft nach der Bergpredigt", Verlag Das Wort, Tel. 09391/504-135; siehe auch: http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/publikationen.html
 

Das Bretton-Woods-System

1944 traf sich in Bretton Woods/USA die Wirtschafts- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen und beschloss einen Plan des Amerikaners White.

Die Wechselkurse der wichtigsten Weltwährungen sollten in einem festen Verhältnis an den Dollar als "Leitwährung" angebunden werden. Deutschland trat 1952 bei. Der Haken bei der Sache war, dass der Dollar im Verhältnis zu anderen Währungen wie der D-Mark meist überbewertet war. Es wurden Stützungskäufe der anderen Notenbanken nötig, um diesen Kurs zu halten. Die deutsche Bundesbank musste z. B. Dollar einkaufen. Die dafür ausgegebenen D-Mark-Bestände flossen dann als "importierte Inflation" zurück. So ermöglichten die Steuerzahler der beteiligten europäischen Staaten den US-Bürgern, in Europa billig einzukaufen.

Das System zerbrach Anfang der siebziger Jahre, als Frankreich nicht mehr bereit war, den USA eine Art "verdeckter Entwicklungshilfe" (so Prof. Bernd Senf in seinem Buch Der Nebel um das Geld) zu gewähren und gleichzeitig die Weltinflation anzuheizen. De Gaulle forderte die Einlösung der französischen Dollarreserven in Gold, was im Bretton-Woods-Vertrag stand, aber bis dahin nie in vollem Umfang eingefordert worden war. Präsident Nixon verkündete daraufhin, dass sein Land der Garantie der Einlösung in Gold nicht nachkommen würde.

 

Ein neues Weltwährungssystem?

Wenn heute der Ruf nach einem "neuen Bretton Woods", nach einer "neuen Weltwirtschaftsordnung" laut wird, so fällt auf, dass kaum jemand den zweiten Plan erwähnt, der 1944 in Bretton Woods ebenfalls zur Diskussion stand, aber nicht zum Zuge kam.

Er stammte vom englischen Ökonomen John Maynard Keynes. Dieser wollte nicht eine bestehende Landeswährung, den Dollar, mit der zusätzlichen Funktion einer Welt-Leitwährung befrachten. Er wollte eine internationale Reservewährung, den "Bancor" einführen. Dieser sollte von einer "Weltreservebank" herausgegeben werden.

Dieses neue "Weltgeld" hätte nur für den internationalen Handel gegolten. Die Landeswährungen wären geblieben, die beteiligten Länder hätten sich jedoch verpflichten müssen, für Preisstabilität zu sorgen und im Fall von Abweichungen Stützungskäufe zu tätigen. Diese Regel hätte für alle Länder ohne Ausnahme gegolten - im Gegensatz zum späteren White-Plan von Bretton Woods, welcher der USA eine Sonderstellung ermöglichte.

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Werden bei einem Börsensturz "Vermögen vernichtet"?

Immer wieder liest man, wie viel Vermögen bei der jüngsten Aktienkrise "vernichtet" worden sei. Entspricht dies den Tatsachen?

Nehmen wir an, Fritz Müller hat für 150 Mark eine Aktie von Heinrich Meier erworben. Im Laufe des Jahres 1998 sackt der Wert dieses Papiers auf 50 Mark ab. Nun fragt Herr Müller: Wo sind meine 100 Mark geblieben? Sind sie "vernichtet" worden?

Herr Müller hat in Wirklichkeit dieses Geld (und damit das Anrecht, für diesen Betrag Leistungen aus der Volkswirtschaft abzurufen) schon vorher an Herrn Meier weitergegeben, als er von diesem die Aktie kaufte. Eine Aktie ist schließlich kein bares Geld, mit dem er etwas kaufen könnte. Es ist ein Anteilschein für eine Unternehmensbeteiligung. Bei Ausgabe der Aktie hat der erste Käufer den Nennwert der Aktie bezahlt. Seitdem richtet sich der Kurs der Aktie nach Angebot und Nachfrage an der Börse. Dieser Kurs steigt und fällt zwar mit dem "Image" des Unternehmens, ist jedoch nur indirekt an dessen Ertragslage gekoppelt. Zu Geld wird dieses Stück Papier erst beim Verkauf. Je mehr dies aber gleichzeitig tun wollen, um so weniger erhält der einzelne dafür.

Vermögen wird also bei einem Aktiencrash nicht vernichtet, sondern umverteilt (im Beispiel: Müller hat zwar 100 Mark "verloren", doch in Wirklichkeit wurde es zuvor an Meier "umverteilt". Dieser hat ja die 100 Mark von Müller erhalten, die seine ehemalige Aktie nun weniger wert ist) - jedenfalls, solange die Währung nicht als Ganzes zusammenbricht. Dann zählen nur noch die Sachwerte.

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Der Wahn von Hegde-Fonds -
 Der Ursprung

"Der erste Hedge-Fonds wurde von Alfred Winslow Jones im Jahre 1949 gegründet. Jones verkaufte Aktien leer [Anmerkung: Er verkaufte Aktien, die er überhaupt noch nicht besaß], um sie später auf einem niedrigeren Kursniveau wieder zu erwerben. Mit dem Erlös des Leerverkaufs kaufte er andere Aktien in der Erwartung, dass diese Aktien im Kurs steigen. Damit erfand er gleichzeitig die erste Strategie für Hedge-Fonds. Erfüllen sich die Erwartungen auf einen Aktienpreisverfall der leerverkauften Aktien und eines Aktienpreisanstiegs der gekauften Aktien, ergibt sich ein Gewinn unabhängig davon, ob der Gesamtmarkt, repräsentiert durch einen breiten Aktienmarktindex, steigt oder fällt ... ist es notwendig, Aktien zu finden, die innerhalb eines bestimmten Zeithorizontes im Preis fallen und andere Aktien zu identifizieren, die in dieser Zeitspanne steigen werden. Der Hedge-Fonds-Manager muss also nicht nur die Preisentwicklung der selektierten Aktien richtig einschätzen, sondern auch den Zeitpunkt der entsprechenden Transaktionen günstig wählen [Anmerkung: Zur weiteren Verkomplizierung dieser Spiel-Casino-Methoden wird der Kauf dieser Aktien im großen Stil gerne mit Kreditaufnahmen finanziert] (aktualisiert zit. nach Wikipedia, 25.10.2008). In Deutschland sind Hedge-Fonds nicht erlaubt. Anders in den USA.

Lesen Sie auch:
Weltfinanzsystem: "Heute stehen wir am Abgrund, morgen sind wir einen Schritt weiter"
in
Nr. 15/1999.


 


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Fernsehtipp
: www.erde-und-mensch.tv

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