Am 11. August wird die
Raumsonde Cassini in der Nähe der Erde ein letztes Mal in ihrem Kurs korrigiert, um dann
mit Beschleunigung in Richtung Saturn weiterzufliegen. Sie hat 32 Kilo Plutonium an Bord.
Bereits vor zwei Jahren, als die Sonde gestartet wurde, warnten Wissenschaftler vor nicht
berechenbaren Risiken eines Unfalls: 32 Kilo wäre theoretisch genug, um die gesamte
Menschheit zu vergiften - auch wenn es sich natürlich nicht gleichmäßig über den
Erdball verteilen kann.

Cassini - gefährliche Fracht an Bord
Die Sonde wird (nach einer Schleife um die Venus) noch einmal in Erdnähe
vorbeigelenkt, um ihr durch die Erdanziehungskraft einen weiteren Schwung mitzugeben. Das
Plutonium dient dazu, einen Flugreaktor zu betreiben. Wenn man noch ein paar Jahre
gewartet hätte, so hätte man die Sonde auch mit einem Solarantrieb ausstatten können,
der gerade entwickelt wird.
Angeblich, so berichtete ein Wissenschaftler in der Fernsehsendung Querdenker
(3Sat, 9.6.1999), liege das Risiko für einen Unfall der Sonde in Erdnähe bei eins
zu einer Million. Doch solche Wahrscheinlichkeitsrechnungen, so der Physiker Hans-Peter
Dürr, hängen von der Phantasie der Forscher ab, die sich ausdenken, was passieren
könnte.

Er sei der Meinung: Wenn ein Erwachsener russisches Roulette an seiner
eigenen Schläfe spiele, so sei das sein persönliches Risiko. Wenn man aber die Pistole
an die Schläfe eines Kindes setze, so sei das unverantwortlich. Und bei Plutonium gehe es
immer auch um die nachfolgenden Generationen, weil das Gift ja weiter wirke. "So
etwas darf man einfach nicht tun", meinte Dürr, der auch den Verdacht äußerte, die
Eile beim Start der Raumsonde sei in Wirklichkeit nicht auf wertfreien Forscherdrang,
sondern auf militärisches Forschungsinteresse zurückzuführen.