Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 17/99

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Buch-Neuerscheinung

Die neuen Inquisitoren

In Deutschland ist wieder eine Hexenjagd zugange. Auch wenn die Gejagten nur etwa ein halbes Prozent der Bevölkerung ausmachen, die ihr Heil in neuen religiösen Gemeinschaften suchen - als Jäger sind diesen Minderheiten ca. 60 hauptamtliche kirchliche Sektenbeauftragte und eine kirchliche Medienmacht mit milliardenschwerem Budget auf der Spur: In Zeitungen, Radio- und Fernsehsendungen trommeln die Kirchenfunktionäre seit Jahren gegen religiöse Konkurrenten, die sie pauschal als "gefährliche Sekten" verunglimpfen.

Wer in "Sektenverdacht" gerät, kann keine Anzeigen mehr schalten, keine Vortragsräume mehr mieten und riskiert seinen Arbeitsplatz. Politiker, meist auf den hinteren Bänken der Parlamente, griffen das Sektenthema auf Geheiß der Kirchen oder zum Zwecke schneller Profilierung auf. Und auch der Staat installierte inzwischen Sektenbeauftragte, die vorwiegend damit beschäftigt sind, kirchliche Sektenpamphlete in staatliche Broschüren zu verwandeln.

Die wachsende Strangulierung der Religionsfreiheit in Deutschland rief nun prominente Wissenschaftler auf den Plan: In einem von dem Religionshistoriker Gerhard Besier und dem Soziologen Erwin K. Scheuch herausgegebenen zweibändigen Werk mit dem Titel Die neuen Inquisitoren, Religionsfreiheit und Glaubensneid, nehmen sie die Hetzjagd auf religiöse und weltanschauliche Minderheiten aufs Korn. Die beiden Bände bieten eine aufregende Lektüre. Sie analysieren die psychologischen Hintergründe des Feldzugs gegen religiöse Minderheiten und beschreiben die politischen und publizistischen Winkelzüge, mit denen man die Religionsfreiheit in Deutschland mehr und mehr einengt.

Intoleranz - nicht nur in Deutschland

Doch es geht nicht nur um Deutschland: Ein Kenner der europäischen Szene, Professor Massimo Introvigne, schildert die länderübergreifenden Mechanismen, die neue religiöse Bewegungen zu "gefährlichen Außenseitern" machen. Wer etwas anderes glaubt als die Mehrheit, dem spricht man zunächst ab, dass es sich überhaupt um Religion handle. In einem weiteren Schritt spricht man dann von "Gehirnwäsche". Verfängt auch dies nicht, nimmt man die Aussteiger zu Hilfe und stilisiert sie "zu Opfern" hoch.

Die neuen Inquisitoren
Gerhard Besier / Erwin K. Scheuch "Die neuen Inquisitoren", 2 Bände, Verlag A. Fromm und Edition Interfrom, Zürich 1999, Edition Interfrom, ISBN 3-7201-5277-4.
Die Redaktion verschenkt einige Restexemplare aus ihrem Archiv und versendet sie im Doppelpack gratis gegen Vorab-Überweisung der Portokosten (5,00 €) auf das Konto 98517, Sparkasse Mainfranken, BLZ 790 500 00 (Das Weisse Pferd).

Geradezu atemberaubend wirkt der Bericht des Bayreuther Politologen Konrad Löw: Der katholische Wissenschaftler referierte über Themen aus seinem Fachbereich auf Veranstaltungen, hinter denen die Vereinigungskirche stand. Bei der ersten Einladung hatte er keine Ahnung davon, später sah er nichts Böses darin. Über Nacht wurde er für seine berufliche Umwelt zum "Unberührbaren", über den bald auch die Presse herfiel.

Wer die Sektenhysterie kritisiert, riskiert, ebenfalls in Sektenverdacht zu geraten - gewissermaßen als Teil der Front der "Psychokonzerne", die es zu bekämpfen gilt. Auf diese Weise diffamierte etwa der ZDF-Redakteur Fromm angesehene Wissenschaftler und Politiker wie den Staatsrechtler Martin Kriele, den langjährigen SPD-Bundesminister Hans Apel sowie die Professoren Besier und Scheuch mit dem Argument, man hätte Texte von ihnen in rechtskonservativen Publikationsorganen gefunden.

Wir brauchen keinen "Glaubens-TÜV"

Besonders lesenswert ist auch, was Hans Apel unter dem Titel Kein Glaubens-TÜV schreibt: Als evangelischer Christ verwahrt er sich gegen die "meist diffamierenden Aufklärungsversuche" kirchlicher Sektenbeauftragter: "Gegen ‘Konkurrenz’ sind die beiden großen Kirchen zu allen Zeiten mit den ihnen jeweils zu Gebote stehenden Mitteln vorgegangen.

Im Mittelalter hatten Ketzer ihrem Irrglauben und ihren Irrlehren öffentlich abzuschwören, oder sie wurden von der Staatsgewalt unter seelsorgerlicher Betreuung aus dem Leben verabschiedet. Und das so öffentlich, dass anderen potentiellen Häretikern der Mut verging. Wegen fehlender Religionsfreiheit haben Millionen Menschen in den vergangenen Jahrhunderten den alten Kontinent verlassen und sind in die ‘Neue Welt’ ausgewandert." Apel befasst sich ausführlich mit der Einsetzung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags, die er als eine überflüssige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bewertet und deren Vorschlägen er inquisitorischen Charakter beimisst.

Eine wesentliche Komponente der Hexenjagd besteht darin, wie die Kirchen die Meinungsfreiheit für ihre Kampagnen nützen. Verdächtigungen und glatte Lügen gehen bei Gericht durch, wenn sie in Werturteile eingekleidet sind. Heinrich Wilms, Professor für öffentliches Recht an der Universität Konstanz, schildert am Beispiel der Rosenkreuzer, wie religiösen Minderheiten der Rechtsschutz gegen Ehrabschneidungen versagt bleibt.

Mit zweierlei Maß gemessen

Noch schlimmer wird es, "wenn Juristen ‘Schutzengel’ spielen. So ist der Beitrag des langjährigen Professors für Religions- und Rechtssoziologie an der Universität Tübingen Johannes Neumann überschrieben. Er analysiert die Rechtssprechung des Bundesverwaltungsgerichts zur Möglichkeit staatlicher Warnungen anhand des Urteils zur "Transzendentalen Meditation". Das Gericht rechtfertigte die diskriminierende Warnung der Bundesregierung, weil die zuständige Behörde diese Meditationsbewegung für gefährlich hielt, obwohl diese Gefährlichkeit mit Aspekten begründet wurde, die auch für die etablierten Religionen zutreffen: Die "Möglichkeit" psychischer Störungen bei labilen Menschen, die fehlende psychologische Ausbildung der Meditationslehrer, der Totalitätsanspruch einer Weltverbesserungsideologie, eine autoritäre Führergestalt und missionarisches Sendungsbewusstsein ...

Neumann konstatiert: "Damit wird ein Maßstab eingeführt, der gegenüber den etablierten Religionen noch nie angewandt worden ist, obwohl dazu reichlich Anlass bestanden hätte und besteht! Es gibt bekanntlich eine Fülle wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse über so genannte ekklesiogene Neurosen und Psychosen, von denen das Gericht keine Kenntnis nimmt."

Wer die im ersten Band enthaltenen Analysen des Kesseltreibens für überspitzt hält, kann sich im zweiten Band des Werkes anhand einer Fülle von Beispielen von der rauen Wirklichkeit überzeugen, in der sich religiöse Minderheiten in Deutschland bewegen müssen. In der Dokumentation finden sich Petitionen der verfolgten Gruppierungen, wie beispielsweise des "Vereins zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis", der "Vereinigungskirche" und der Glaubensgemeinschaft "Universelles Leben".

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Wer dort nachliest, was diese Gemeinschaften dem Deutschen Bundestag vortragen, findet bestätigt, was Martin Kriele als die "faschistischen Züge der Sektenjagd" beschreibt: "Ein typisch faschistisches Element ist die Aggressivität gegen wehrlose Minderheiten. Diesmal sind es nicht Juden, Kommunisten, Zigeuner, wohl aber ‘Sekten’... Die Sektenjäger sind bis zur Wut gereizt, wenn sie Menschen mit Überzeugungen begegnen, die vom vorherrschenden Trend abweichen. Das Ausnutzen ihrer Wehrlosigkeit, die Verächtlichmachung, das Höhnen und Spotten, das Bestreben, schon Schüler zur Ausgrenzung und Ablehnung zu erziehen, der völlige Mangel an menschlichem Respekt, kurz: die Intoleranz und Inhumanität, sind Ausdruck des Machtgenusses, der aus der Zugehörigkeit zum herrschenden Groß-Trend entspringt."

Es ist zu hoffen, dass dieses Buch viele nachdenkliche Leser findet, die bislang nicht wussten, was sich in dem angeblich so liberalen Deutschland an kirchlicher und staatlicher Intoleranz wieder etabliert hat.

PS: Das Buch gibt es auch gratis hinzu bei einer Mindestbestellung von 40,00 € bei unserem Verlag: siehe ../../buecher.html


Ein weiteres Buch zum Thema Sektenjagd in Deutschland:

"DIE NEUE INQUISITION" von Prof. Hubertus Mynarek


 

 



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