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Ungeahnte Zusammenhänge
Der
Pheromon-Skandal: Warum gelingt es vielen Wildtieren - insbesondere den Wildschweinen - nicht mehr, ihre Population in einem natürlichen Gleichgewicht zu halten? Könnte es nicht sein, dass die wesentliche Ursache dafür die in den großen Ställen der Massentierhaltung betriebene Massentierzucht ist und die dort betriebene künstliche Befruchtung? Wie kann man sich das vorstellen? Die industrielle »Fleischproduktion« treibt die Tiere in den Massenställen zu ununterbrochenem Zeugen und Gebären an. Bereits der Eintritt der Geschlechtsreife wird vorverlegt. Bei weiblichen Jungschweinen z. B. dadurch, dass man ihnen kastrierte Eber in die Bucht stellt, was die Pubertät drei Wochen früher eintreten lässt. Schon nach ca. 200 Tagen kommt es zur zweiten Brunst, bei der sie künstlich befruchtet werden. Dabei benutzen die Tierzüchter Eber-Samen »aus der Tube« und Eber-Geruchstoffe aus der Spraydose, so genannte Pheromone, um die Tiere zur Befruchtung zu stimulieren. Nach 114 Tagen bringen sie dann im Durchschnitt acht lebendige Frischlinge auf die Welt, die sie 32 Tage säugen. Nach einer »Leerzeit« von sieben bis zehn Tagen werden sie bei ihrer nächsten Brunst wieder künstlich befruchtet. Ohne Unterbrechung wird gezeugt, geboren und gesäugt - bei Schweinen, Rindern und anderen Opfern der modernen Fleischfabriken. In geringster Konzentration wirksam Der Inhalt der Spraydosen und die Schwaden der Ausdünstungen von Tieren im Fortpflanzungszyklus hängen in den Stallgebäuden und werden mit Ventilatoren als Abluft ins Freie geblasen, während eine Flut von Gülle abgepumpt und auf die Felder geschwemmt wird. Auf diese Weise gelangen die Pheromone, die in den Massenställen zur Stimulierung der als Zeugungs- und Gebärmaschinen missbrauchten Tiere verwandt werden, in die Umwelt. Es handelt sich um ursprünglich natürliche Substanzen, die der Mensch künstlich einsetzt und die eine Art chemische Kommunikation zwischen den Tieren ermöglichen, insbesondere als sexuelle Lockstoffe. Sie sind bereits in geringster Konzentration wirksam und können kilometerweit über die hochsensiblen Riechorgane der Tiere aufgenommen werden. Kein Wunder also, wenn auf diese Weise die Fortpflanzungshektik der Massentierställe auch die Wildtiere ansteckt - über ganze Wolken pheromonhaltiger Abluft und über Fluten pheromonhaltiger Gülle auf den Feldern. Wenn dem so ist, erweist sich die Überpopulation vor allem von Wildschweinen, über die allseits geklagt wird, nicht als naturgegebenes Unglück, sondern als Folge menschlicher Triebtäterschaft: Der Mensch treibt die Tiere zur Überproduktion von Nachkommen an, um seinen Trieb nach immer mehr Fleisch zu befriedigen, was wiederum die Wildtiere verstört und zu einer Überproduktion in Wald und Flur antreibt. Am Ende schließt sich der Kreislauf der Triebe bei den Jägern, die immer mehr Wildtiere erlegen sollen, »weil es ja viel zu viele davon gibt«. So mancher Landwirt, der sich darüber beklagt, dass Wildschweine seine Felder »verwüsten«, könnte vielleicht in seinem pheromonhaltigen Stall eine der Ursachen dafür finden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Fernsehsendung, die in der Reihe »Abenteuer Wissen« das ZDF (Oktober 2002) ausstrahlte. Das Thema lautete: »Werden wir heimlich verändert?« Es ging darum, dass chemische Stoffe, die bei industriellen Färbe- und Reinigungsprozessen verwendet werden, sich inzwischen weltweit verbreitet haben und teilweise wie Hormone wirken, welche die Geschlechtsorgane und Fortpflanzungsfähigkeit z. B. von Fröschen und Kaulquappen nachweisbar beeinflussen. Einfluss auf den Menschen? Man darf gespannt sein, was sich über die Wirkung von Pheromonen noch alles ergibt. Beeinflussen sie vielleicht auch den Menschen? Dass biologische Stoffe psychosomatische Auswirkungen auf den Menschen haben können, ist ja auch aus der Waffentechnik bekannt. Und die Parfümindustrie weiß längst, dass sich die aphrodisierende Wirkung ihrer Duftwässer mit Hilfe von tierischen und menschlichen Pheromonen erhöhen lässt. Es könnte also leicht sein, dass die sexualisierenden Feinstoffe, die aus den Tierfabriken über uns herabregnen, nicht nur Wildtiere schneller brünstig machen. Gibt es hinsichtlich der Zunahme von Sexualverbrechen bis hin zur Kinderschändung und zur Sodomie am Ende eine Querverbindung zur Vergiftung unserer Atemluft durch Pheromone? Wir werden den möglichen Ursachenketten, die sich hier auftun,
weiter nachgehen, fachliche Informationen darüber einholen und wieder berichten.
(Christian Sailer) |
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